Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
48
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Miß Sara Sampson.

senn Schicksale zu nehmen, als daß Ihnen sein Inhalt gleich-gültig seyn könnte.

XNarroooS. Mir gleichgültig, Miß? (sie nimmt den Brief)

Sara. Aber, Lady, Sie scheinen noch immer sehr nach-denkend, sehr traurig.

Marwood. Nachdenkend, Miß, aber nicht traurig.

tNellefont. (bcv Seite) Himmel! wo sie sich verräth!

Sara. Und warum denn?

MarrvooS. Ich zittere für Sie beyde. Könnte diese un-vcrmuthctc Güte Ihres Vaters nicht eine Verstellung seyn?eine List?

Sara- Gewiß nicht, Lady, gewiß nicht. Lesen Sie nur,und Sie werden es selbst gestehen. Die Verstellung bleibt im-mer kalt, und eine so zärtliche Sprache ist in ihrem Vermögennicht. (Marwood licstt vor sich) Werden Sie nicht argwöhnisch,Mcllcfont; ich bitte Sie. Ich stehe Ihnen dafür, daß meinVater sich zu keiner List herablassen kann. Er sagt nichts, waser nicht denkt, und Falschheit ist ihm ein unbekanntes Laster.

XNellefont. O! davon bin ich vollkommen überzeugt, liebsteMiß. Man muß der Lady den Verdacht vergeben, weil sieden Mann noch nicht kennt, den er trifft.

Sara, (indem ihr Marwood den Brief zurück giebt) Was seh' ich,Lady? Sie haben sich entfärbt? Sie zittern? Was fehlt Ihnen?

Mcllefont. (bey Seite) In welcher Angst bin ich! Warumhabe ich sie auch hergebracht?

Marrvood. Es ist nichts, Miß, als ein kleiner Schwin-del, welcher vorübcrgehn wird. Die Nachtluft muß mir aufder Reise nicht bekommen seyn.

XNellefonr. Sie erschrecken mich, Lady Ist es Ihnennicht gefällig, frische Luft zu schöpfen? Man erholt sich in ei-nem vcrschloßncn Zimmer nicht so leicht.

Marrvood. Wann Sie meynen, so reichen Sie mir Ih-ren Arm.

Sara. Ich werde Sie begleiten, Lady.Marrvood. Ich verbitte diese Höflichkeit, Miß. MeineSchwachheit wird ohne Folgen seyn.

Sara. So hoffe ich denn, Lady bald wieder zu sehen.