Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

Miß Sara Sampson.

47

Wie hasse ich den Nichtswürdigcn, der lins ihm verrathen hat!(mit cincm zornigen Blickegegen die Marwood.)

Sara. Liebster Mcllcfont, wie schmeichelhaft ist diese IhreUnruhe für mich! Und wie glücklich sind wir beyde, daß sievergebens ist! Lesen Sie hier seinen Brief. (gegen die Mar-wood, indem Mellcfvnt den Brief vor sich liefet) Lady, er wird Überdie Liebe meines Vaters erstaunen. Meines Vaters? Ach! erist nun auch der scinigc.

XNarwood- (betroffen) Ist es möglich?

Sara. Za wohl, Lady, haben Sie Ursache, diese Verände-rung zu bewundern. Er vcrgicbt uns alles; wir werden linsmm vor seinen Augen lieben; er erlaubt es uns; er befiehlt esuns. Wie hat diese Gütigkcit meine ganze Seele durchdrun-gen! Nun, Mcllcsont? (der ihr den Brief wieder giebt) Sieschweigen? O nein, diese Thräne, die sich ans Ihrem Augeschleicht, sagt weit mehr, als Ihr Mund ausdrücken könnte.

XNarrvood. (bey Seite) Wie sehr habe ich mir selbst ge-schadet! Ich Unvorsichtige!

Sara. O! lassen Sie mich diese Thräne von IhrerWange küssen!

Mellefonr. Ach Miß, warum haben wir so einen göttli-chen Mann betrüben müssen? Za wohl, einen göttlichen Mann:denn was ist göttlicher, als vergeben? Hätten wir uns die-sen glücklichen Ausgang nur als möglich vorstellen können: ge-wiß, so wollten wir ihn jetzt so gewaltsamen Mitteln nicht zuverdanken haben; wir wollten ihn allein unsern Bitten zu ver-danken haben. Welche Glückseligkeit wartet auf mich! Wieschmerzlich wird mir aber auch die eigne Ueberzeugung seyn, daßich dieser Glückseligkeit so unwcrth bin!

Marwood. (bey Seite) Und das muß ich mit anhören!

Sara- Wie vollkommen rechtfertigen Sie, durch solche Ge-sinnungen, meine Liebe gegen Sie.

Marrvood. (bey Seite) Was für Zwang muß ich miranthun!

Sara. Auch Sie, vortreffliche Lady, müssen den Briefmeines Vaters lesen. Sie scheinen allzu viel Antheil an nn-