Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
46
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Miß Sara Sampson.

zügc allzu eitel sind, und auf der andern nur von solchen zuverstehen, welche sich selbst keiner Vorzüge bewußt sind. Wieweit sind Sie beide von diesem Falle entfernt! (zur Marwood,welche i>i Gedanken steht) Ist es nicht wahr, Lady, daß meineLiebe nichts weniger, als parthcyisch, gewesen ist? Ist es nichtwahr, daß ich Ihnen zum Lobe meiner Miß viel, aber nochlange nicht so viel gesagt habe, als Sie selbst finden? Aberwarum so in Gedanken? (sachte zu ihr) Sie vergessen, werSie seyn' wollen.

XNarrvood. Darf ich es sagen? Die BewunderungIhrer liebsten Miß führte mich aus die Betrachtung ihres Schick-sals. Es gicng mir nahe, daß sie die Früchte ihrer Liebe nichtin ihrem Vatcrlandc genießen soll. Ich erinnerte mich, daß sieeinen Vater, und wie man mir gesagt hat, einen sehr zärtli-chen Vater verlassen mußte, um die Ihrige seyn zu können;und ich konnte mich nicht enthalten, ihre Aussöhnung mit ihmzu wünschen.

Sara. Ach! Lady, wie sehr bin ich Ihnen für diesenWunsch verbunden. Er verdient cs, daß ich meine ganze Freudemit Ihnen theile. Sie können cs noch nicht wissen, Mcllcfont,daß er erfüllt wurde, ehe Lady die Liebe für uns hatte, ihnzu thun.

XNcllcfont, Wie verstehen Sie dieses, Miß?

Marwood. (bcv Seite) Was will das sagen?

Sara. Eben ißt habe ich einen Brief von meinem Vatererhalten. Waitwcll brachte mir ihn. Ach, Mcllcfont, welchein Brief!

Mellefont. Geschwind reißen Sie mich aus meiner Unge-wißheit. Was hab' ich zu fürchten? Was habe ich zu hoffen?Ist cr noch dcr Vater, den wir flohen? Und wenn er cs nochist, wird Sara die Tochter seyn, die mich zärtlich genug liebt,um ihn noch weiter zu fliehen? Ach! hätte ich Ihnen gefolgt,liebste Miß, so wären wir jetzt durch ein Band verknüpft, dasman aus eigensinnigen Absichten zu trennen wohl unterlassenmüßte. In diesem Augenblick empfinde ich alles das Unglück,das unser entdeckter Aufenthalt für mich nach sich ziehen kann. Er wird kommen, und Sie aus mcincn Armen reißen.