Miß Sara Sampsoii.
— Erlauben Sic, daß ich Sie einige Augenblicke allein lasse.Zch will Miß Sampson zu Ihnen holen.
Fünfter Auftritt.Marwood.
(Indem sie um sich herum sieht) Bin ich allein? — Kann ichunbemerkt einmal Athem schöpfen, und die Muskeln des Ge-sichts in ihre natürliche Lage fahren lassen? — Zch muß ge-schwind einmal in allen Minen die wahre Marwood seyn, umden Zwang der Verstellung wieder aushalten zu können. —Wie hasse ich dich, niedrige Verstellung! Nicht, weil ich dieAufrichtigkeit liebe, sondern weil du die armseligste Zuflucht derohnmächtigen Rachsucht bist. Gewiß würde ich mich zu dirnicht herablassen, wenn mir ein Tyrann seine Gewalt, oder derHimmel seinen Blitz anvertrauen wollte. — Doch wann du michnur zu meinem Zwecke bringst! — Der Anfang verspricht es;und Mcllcfont scheinet noch sichrer werden zu wollen. Wennmir meine List gelingt, daß ich mit seiner Sara allein sprechenkann: so — Za, so ist es doch noch sehr ungewiß, ob es miretwas helfen wird. Die Wahrheiten von dem Mcllcfont werdenihr vielleicht nichts neues seyn; die Verleumdungen wird sicvielleicht nicht glauben; und die Drohungen vielleicht verachten.Aber doch soll sic Wahrheit, Verleumdung und Drohungen vonmir hören. Es wäre schlecht, wenn sie in ihrem Gemüthe ganzund gar keinen Stachel zurück ließen. — Still! sie kommen.Zch bin nun nicht mehr Marwood; ich bin eine nichtswürdigcVerstoßene, dic durch klcinc Kunstgriffe die Schande von sichabzuwehren sucht; ein gctrctncr Wurm, der sich krümmet unddem, der ihn getreten hat, wenigstens die Ferse gern verwun-den möchte.
Sechster AuftrittSara. Mellefont- Marwood.Sara. Zch freue mich, Lady, daß meine Unruhe vergebensgewesen ist.
Marwood. Zch danke Ihnen, Miß. Der Zufall war zuklein, als daß er Sie hätte beunruhigen sollen.