6l) Miß Sara Sampson.
so muß sie damit anfangen, daß sie etwas von mir zu besitzenvergißt. Ich habe Verbindlichkeiten gegen sie, und werde esnie ans der Acht lassen, daß sie mein wa.hrcs Glück, obschonwider ihren Willen, befördert hat. Za, Marwood, ich dankeIhnen in allem Ernste, daß Sie unsern Aufenthalt einem Va-ter verriethen, den bloß die Unwissenheit desselben verhinderte,uns nicht eher wieder anzuuchmcu.
Marwood. Martern Sie mich nicht mit einem Danke,den ich niemals habe verdienen wollen. Sir William ist einzu guter alter Narr: er muß anders denken, als ich an seinerStelle würde gedacht haben. Ich hätte der Tochter vergeben,und ihrem Verführer hätt' ich — —
iNellcfonr. Marwood! — —
Marwood. Es ist wahr; Sie sind es selbst. Ich schweige. —Werde ich der Miß mein Abschicdskomplimcnt bald machen dürfen?
5Nellefonr. Miß Sara würde es Ihnen nicht übel nehmenkönnen, wenn Sie auch wcgrcisctcn, ohne sie wieder zu sprechen.
Marwood. Mcllcfont, ich spiele meine Rollen nicht gernhalb, und ich will, auch unter keinem fremden Namen, für einFrauenzimmer ohne Lebensart gehalten werden.
Mellefont. Wenn Ihnen Zhrc eigne Ruhe lieb ist, sosollten Sie sich selbst hüten, eine Person nochmals zu sehen,die gewisse Vorstellungen bey Ihnen rege machen muß--
Marwood. (spöttisch lächelnd) Sie haben eine bessere Mey-nung von sich selbst, als von mir. Wenn Sie es aber auchglaubten, daß ich Zhrcntwcgcn untröstlich seyn müßte, so soll-ten Sie es doch wenigstens ganz in der Stille glauben. — MißSara soll gewisse Vorstellungen bey mir rege machen? Gewisse?O ja — aber keine gewisser, als diese, daß das beste Mädchenoft den nichtswürdigstcn Mann lieben kann.
Mellcfonr. Allerliebst, Marwood, allerliebst! Nun sindSie gleich in der Verfassung, in der ich Sie längst gern ge-wünscht hätte: ob es mir gleich, wie ich schon gesagt, fast lie-ber gewesen wäre, wenn wir einige gemeinschaftliche Hochachtungfür einander hätten behalten können. Doch vielleicht findet sichdiese noch, wenn nur das gährcnde Herz erst ausgcbrausct hat.