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Miß Sara Sampson.
verlustig gemacht haben. — Nicht wahr, Miß, das war großgedacht?
Sara. O Lady, wer weiß es besser, als ich, daß Mcllc-font das edelste Herz besitzt?
Marrvood. Was aber - that Marwood? Sie erfuhr esunter der Hand, noch spät an einem Abende, wozu sich Mclle-font ihrcntwcgcn entschlossen hätte. Mcllcfont kam des Mor-gens, sie zu besuchen, und Marwood war fort.
Sara. Wohin? Warum?
Marwood. Er fand nichts als einen Brief von ihr,worinn sie ihm entdeckte, daß er sich keine Rechnung machendürfe, sie jemals wieder zu sehen. Sie leugne es zwar nicht,daß sie ihn liebe; aber eben deßwegen könne sie sich nicht über-winden, die Ursache einer That zu seyn, die er nothwendig ein-mal bereuen müsse. Sie erlasse ihn seines Versprechens, undersuche ihn, ohne weiteres Bedenken, durch die Vollziehung derin dem Testamente vorgcschricbncn Verbindung, in den Besitzeines Vermögens zu treten, welches ein Mann von Ehre zu et-was wichtigerm brauchen könne, als einem Frauenzimmer eineunüberlegte Schmeichele») damit zu machen.
Sara. Aber Lady, warum leihen Sie der Marwood sovortreffliche Gesinnungen? Lady Solmcs kann derselben wohlfähig seyn, aber nicht Marwood. Gewiß Marwood nicht.
XNarrvood. Es ist nicht zu verwundern, Miß, daß Siewider sie eingenommen sind. — Mcllcfont wollte über den Ent-schluß der Marwood von Sinnen kommen. Er schickte überallLeute aus, sie wieder aufzusuchen; und endlich fand er sie.
Sara- Weil sie sich finden lassen wollte, ohne Zweifel.
XNarrvood. Keine bittere Glossen, Miß! Sie geziemeneinem Frauenzimmer, von einer sonst so sanften Dcnkungsart,nicht. — Er fand sie, sag' ich; und fand sie unbeweglich. Siewollte seine Hand durchaus nicht annehme»; und alles, was ervon ihr erhalten konnte war dieses, daß sie nach London zu-rückzukommen versprach. Sie wurden eins, ihre Vermählungso lange auszusetzen, bis die Anverwandte, des langen Verzö-gcrns übcrdrüßig, einen Vergleich vorzuschlagen gezwungen sey.Unterdessen konnte sich Marwood nicht wohl der täglichen Bc-