Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
69
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Miß Sara Sampson.

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suche des Mcllcfont cntbrcchcn, die eine lange Zeit nichts, alsehrfurchtsvolle Besuche eines Liebhabers waren, den man in dieGränzen der Freundschaft zurückgewiesen hat. Aber wie unmög-lich ist es, daß ein hitziges Temperament diese engen Gränzennicht überschreiten sollte! Mcllcfont besitzt alles, was uns eineMannsperson gefährlich machen kann. Niemand kann hiervonüberzeugter seyn, als Miß Sampson selbst.Sara. Ach!

Marwood. Sie seufzen? Auch Marwood hat über ihreSchwachheit mehr als einmal gcscufzet, und scufzct noch.

Sara. Genug, Lady, genug; diese Wendung, sollte ichmeynen, war mehr, als eine bittere Glosse, die Sie mir zuuntersagen beliebten.

Marwood. Ihre Absicht war nicht, zu beleidigen, sondernbloß die unglückliche Marwood Ihnen in einem Lichte zu zei-gen, in welchem Sie am richtigsten von ihr urtheilen könnten. Kurz, die Liebe gab dem Mcllcfont die Rechte eines Ge-mahls; und Mcllcfont hielt cs länger nicht für nöthig, sie durchdie Gesetze gültig machen zu lassen. Wie glücklich wäre Mar-wood, wenn sie, Mcllcfont und dcr Himmel, nur allein vonihrer Schande wüßten! Wie glücklich, wenn nicht eine jam-mernde Tochter dasjenige dcr ganzen Welt entdeckte, was sievor sich selbst verbergen zu können wünschte!

Sara. Was sagen Sie, Lady? Eine Tochter--

Marwood. Ja, Miß, eine unglückliche Tochter verlieretdurch die Darzwischcnkunft dcr Sara Sampson alle Hoffnung,ihre Acltcrn jemals ohne Abscheu nennen zu können.

Sara. Schreckliche Nachricht! Und dieses hat mir Mcllc-font verschwiegen? Darf ich cs auch glauben, Lady?

Marwood. Sie dürfen sichcr glauben, Miß, daß IhnenMcllcfont vielleicht noch mehr verschwiegen hat.

Sara. Noch mehr? Was könnte er mir noch mehr ver-schwiegen haben?

Marwood. Dicscs, daß cr die Marwood noch licbt.

Sara- Sie tödtcn mich, Lady!

Marwood. Es ist unglaublich, daß sich cinc Licbc, welchelänger als zehn Zahr gedauert hat, so geschwind verlieren könne.