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Miß Sarci Sampson.
mcr! Eine verhärtete Buhlerinn ? — Sie brauchen, wahrschein-licher Weise, Worte, deren Kraft Sie nicht überleget haben.
Sar«. Erscheint sie nicht als eine solche, selbst in derSchilderung der Lady Solmcs? — Gut, Lady; Sie sind ihreFreundinn, ihre vertrauteste Freundinn vielleicht. Ich sage die-ses nicht als einen Borwurf; denn es kann leicht in der Weltnicht wohl möglich seyn, nur lauter tugendhafte Freunde zuhaben. Allein wie komme ich dazu, dieser Ihrer Freundschaftwegen, so tief hcrabgcstoßcn zu werden? Wenn ich der Mar-wood Erfahrung gehabt hatte, so würde ich den Fehltritt gewißnicht gethan haben, der mich mit ihr in eine so erniedrigendeParallel setzt. Hätte ich ihn aber doch gethan, so würde ichwenigstens nicht zehn Zahr darinn verharret seyn. Es ist ganzetwas anders, aus Unwissenheit auf das Laster treffen; undganz etwas anders, es kennen und dem ungeachtet mit ihm ver-traulich werden. — Ach, Lady, wenn Sie es wüßten, was fürReue, was für Gewissensbisse, was für Angst mich mein Irr-thum gekostet! Mein Irrthum, sag' ich; denn warum soll ichlänger so grausam gegen mich seyn, und ihn als ein Verbrechenbetrachten? Der Himmel selbst hört auf, ihn als ein solches an-zusehen; er nimmt die Strafe von mir, und schenkt mir einenBatcr wieder. — Ich erschrecke, Lady; wie verändern sich aufeinmal die Züge Ihres Gesichts? Sie glühen; aus dem star-ren Auge schreckt Wut, und des Mundes knirschende Bewegung— Ach! wo ich Sie erzürnt habe, Lady; so bitte ich um Ver-zeihung. Ich bin eine empfindliche Närrinn; was Sie gesagthaben, war ohne Zweifel so böse nicht gcmcynt. Vergessen Siemeine Ucbcrcilung. Wodurch kann ich Sie besänftigen? Wo-durch kann auch ich mir eine Freundinn an Ihnen erwerben,so wie sie Marwood an Ihnen gefunden hat? Lassen Sie mich,Lady, lassen Sie mich fußfällig darum bitten — (indem sie niederfallt) Um Ihre Freundschaft, Lady — Und wo ich diese nichterhalten kann, um die Gerechtigkeit wenigstens, mich und Mar-wood nicht in einen Rang zu setzen.
M«ru?ood. (die einige Schritte stolz zurück tritt und die Sara lie-ge» läßt) Diese Stellung der Sara Sampson ist für Marwoodviel zu reizend, als daß sie nur unerkannt darüber frohlocken