Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
95
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PhilotaS.

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so sagst du selbst. Der Haß, den man auf vcrloschnc Freund-schaft Pfropfet, muß, unter allen, die tätlichsten Früchte brin-gen; oder ich kenne das menschliche Herz noch zu wenig.Verzögere daher, König, verzögere meine Verzweiflung nurnicht. Du hast als der höfliche Staatsmann gesprochen; sprichnun als der Monarch, der den Nebenbuhler seiner Grösse, ganzin seiner Gewalt hat.

Strato. O laß ihn, König, die Ungewißheit seines Schick-sals nicht länger peinigen.

Philotas . Ich danke, Strato! Za, laß mich es nurgleich hören, wie abschcuungswürdig du einen unglücklichen Sohnseinem Vater machen willst. Mit welchem schimpflichen Frie-den, mit wie viel Ländern soll er ihn erkaufen? Wie klein undverächtlich soll er werden, um nicht vcrwäyst zu bleiben? Omein Vater!

Aridäns. Auch diese frühe, männliche Sprache, Prinz,war deines Vaters! So höre ich dich gern! Und möchte, mei-ner nicht minder würdig, auch mein Sohn itzt vor deinem Va-ter so sprechen!

Philotas . Wie mcynst du das?

Ariväns. Die Götter ich bin es überzeugt wachenfür unsre Tugend, wie sie für unser Leben wachen. Die solang als mögliche Erhaltung beyder, ist ihr geheimes, ewigesGeschäft. Wo weiß ein Sterblicher, wie böse er im Grundeist, wie schlecht er handeln würde, ließen sie jeden verführeri-schen Anlaß, sich durch kleine Thaten zu beschimpfen, ganz aufihn wirken! Za, Prinz, vielleicht wäre ich der, den du michglaubst; vielleicht hätte ich nicht edel genug gedacht, das wun-derliche Kricgcsglück, das dich mir in die Hände liefert, beschei-den zu nützen; vielleicht würde ich durch dich crtrozt haben,was ich zu erfechten nicht länger wagen mögen; vielleichtDoch fürchte nichts; allen diesen Vielleicht hat eine höhereMacht vorgebauet; ich kann deinen Vater seinen Sohn nichttheurer erkaufen lassen, als durch den mcinigcn.

Philotas . Zch erstaune! Du giebst mir zu verstehen

Aridaas. Daß mein Sohn deines Vaters Gefangener ist,wie du meiner.