Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
117
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Emilia (-.'alotti.

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Wahrlich, ich glaube, ich wär' cs zufrieden. Als ich dortliebte, war ich immer so leicht, so fröhlich, so ausgelassenNun bin ich von allem das Gegentheil. Doch nein; nein,nein! Behaglicher, oder nicht behaglicher: ich bin so besser.

Vierter Auftritt.

Der Prinz. Conti, mit dc» Gemählden, wovon cr das eine verwandtgegen eine» Slnhl lehnet.

Conti (indem cr das andere zurcchr stellet.) Zch bitte, Prinz,daß Sie die Schranken") unserer Kunst erwägen wollen. Vie-les von dem Anzüglichsten der Schönheit, liegt ganz außer denGrenzen derselben. Treten Sie so!

Der Prinz (nach cincr kurze» Betrachtung.) Vortrefflich, Conti;

ganz vortrefflich! Das gilt Ihrer Kunst, Ihrem Pinsel.

Aber geschmeichelt, Conti; ganz unendlich geschmeichelt!Conri. Das Original schien dieser Meynung nicht zu seyn.

Auch ist cs in der That nicht mehr geschmeichelt, als die Kunstschmeicheln muß. Die Kunst muß mahlen, wie sich die plasti-sche Natur, wenn cs eine giebt das Bild dachte: ohneden Abfall, welchen der widerstrebende Stoff unvermeidlich macht;ohne das Verderb, mit welchem die Zeit dagegen an kämpfet.

Der Prinz. Der denkende Künstler ist noch eins so vielwerth. Aber das Original, sagen Sie, fand dem ohn-gcachtct

Conti. Verzeihen Sie, Prinz. Das Original ist eine Per-son, die meine Ehrerbietung fodcrt. Zch habe nichts nachthci-ligcs von ihr äußern wollen.

Der Prinz. So viel als Ihnen beliebt! Und was sagtedas Original ?

Conti. Zch bin zufrieden, sagte die Gräsin», wenn ichnicht häßlicher aussehe.

Der Prinz. Nicht häßlicher? O das wahre Original!

Conti. Und mit einer Mine sagte sie das, von derfreylich dieses ihr Bild keine Spur, keinen Verdacht zeiget.

°)Grenzen" in der Handschrift und in den Ausgaben. Die Verbes-serung findet sich in dem Briefe Karl G. Lcssings vom L. Iunius 1772,