Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
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Emilia Galotti,

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viel Umstände nicht: auch läßt man das nicht aufhängen; son-dern hat es gern bey der Hand. Zch danke Ihnen, Conti;ich danke Ihnen recht sehr. Und wie gesagt: in meinem Ge-biethe soll die Kunst nicht nach Brod gehen; bis ich selbstkeines habe. Schicken Sie, Conti, zu meinem Schatzmeister,und lassen Sie, auf Ihre Quittung, für beyde Portraite sichbezahlen, was Sie wollen. So viel Sie wollen, Conti.

Conti. Sollte ich doch nun bald fürchten, Prinz, daß Sieso, noch etwas anders belohnen wollen, als die Kunst.

T>er Prinz- O des eifersüchtigen Künstlers! Nicht doch!Hören Sie, Conti; so viel Sie wollen. (Conti geht ab.)

Fünfter Austritt.Der Prinz.

So viel er will! (Gegen das Bild) Dich hab' ich für je-den Preis noch zu wohlfeil. Ah! schönes Werk der Kunst,ist es wahr, daß ich dich besitze? Wer dich auch besäße,schönrcs Meisterstück der Natur! Was Sie dafür wollen,ehrliche Mutter! Was du willst, alter Murrkopf! Fodrc nur!Fodcrt nur! Am liebsten kauft' ich dich, Zauberinn, von dirselbst! Dieses Auge, voll Licbrcitz und Bescheidenheit! Die-ser Mund! und wenn er sich zum reden öfnct! wenn erlächelt! Dieser Mund! Zch höre kommen. Noch bin ichmit dir zu neidisch. (Indem er das Bild gegen die Wand drehet.") Eswird Marinclli seyn. Hätt' ich ihn doch nicht rufe» lassen!Was für einen Morgen könnt' ich haben!

Sechster Auftritt.

Marinclli. Der Prinz.

Marinclli. Gnädiger Herr, Sie werden verzeihen. Zchwar mir eines so frühen Befehls nicht gewärtig.

Der Prinz. Zch bekam Lust, auszufahrcn. Der Morgenwar so schön. Aber nun ist er ja wohl verstriche»; und dieLust ist mir vergangen. (Nach einem kurzen Stillschweigen.) Washaben wir Neues, Marinclli?

°)kehret" in der Handschrift,