Emilia Galotti.
Claudia. Vielleicht weniger, als du besorgest.
Gdoardo. Besorgest! ich besorg' auch so was!
Claudia. Denn hab' ich dir schon gesagt, daß der Prinzunsere Tochter gesehen hat?
Odoardo. Der Prinz? Und wo das?
Claudia- Zn der letzten Vcgghia, bey dem Kanzler Gri-maldi, die er mit seiner Gegenwart beehrte. Er bezeigte sichgegen sie so gnädig--
Gdoardo. So gnädig?
Clandia. Er unterhielt sich mit ihr so lange--
Gdoardo. Unterhielt sich mit ihr?
Claudia. Schien von ihrer Munterkeit und ihrem Witzc
so bczaubcrt--
Gdoardo. So bczaubcrt? —
Claudia. Hat von ihrcr Schönheit mit so vielen Lobeser-hebungen gesprochen--
Gdoardo. Lobeserhebungen? Und das alles crzchlst dumir in einem Tone der Entzückung? O Elandia! Claudia! eitle,thörichte Mutter!
Clandia. Wie so?
Gdoardo. Nun gut, nun gut! Auch das ist so abgelau-fen. — Ha! wenn ich mir einbilde--Das gerade wäre
der Ort, wo ich am tätlichsten zu verwunden bin! — EinWollüstling, der bewundert, begehrt. — Claudia! Claudia! derbloße Gedanke setzt mich in Wuth. — Du hättest mir das so-gleich sollen gemeldet haben. — Doch, ich möchte dir heutenicht gern etwas unangenehmes sagen. Und ich würde, (indcmsie ihn bey der Hand ergreift) wenn ich länger bliebe. — Drnmlaß mich! laß mich! — Gott befohlen, Claudia! — Kommtglücklich nach!
Fünfter Auftritt.
Claudia Galotti.Welch ein Mann! — O, der ranhcu Tugend! — wennanders sie diesen Namen verdienet. — Alles scheinet ihr ver-dächtig, alles strafbar! — Oder, wenn das die Menschen ken-nen heißt: — wer sollte sich wünschen, sie zu kennen? — Wo