Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
135
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Emilia Galotti.

1ZZ

bleibt aber auch Emilia? Er ist dcö Aatcrs Feind: folglich

folglich, wem: er ein Auge für die Tochter hat, so ist eseinzig, um ihn zu beschimpfen?

Sechster Auftritt.

jLmilia nnd Claudia Galorti.

Emilia, (stürzet in einer ängstlichen Verwirrung herein ) Wohl mir!wohl mir! Nun bin ich in Sicherheit. Oder ist er mirgar gefolgt? (indem sie den Schlcher zurück wirst und ihre Mutter erblickt)Ist er, meine Mutter? ist er ? Nein, dem Himmel sey Dank!

Claudia. Was ist dir, meine Tochter? was ist dir?

Emilia. Nichts, nichts

Claudia. Und blickest so wild um dich? Und zitterst anjedem Gliede?

Emilia. Was hab' ich hören müssen! Und wo, wo hab' iches hören müssen!

Claudia. Ich habe dich in der Kirche geglaubtEmilia. Eben da! Was ist dem Laster Kirch' und Altar?

Ah, meine Mutter! (sich ihr in die Arme werfend)

Claudia- Rede, meine Tochter! Mach meiner Furcht einEnde. Was kann dir da, an heiliger Stäte, so schlimmesbegegnet seyn?

Emilia- Nie hätte meine Andacht inniger, brünstiger seynsollen, als heute: nie ist sie weniger gewesen, was sie seyn sollte.

Claudia. Wir sind Menschen, Emilia. Die Gabe zu be-ten ist nicht immer in. unserer Gewalt. Dem Himmel ist be-ten wolle», auch beten.

Emilia. Und sündigen wollen, auch sündigen.

Clandia. Das hat meine Emilia nicht wollen!

Emilia- Nein, meine Mutter; so tief ließ mich die Gnadenicht sinken. Aber daß fremdes Laster uns, wider nnscrnWillen, zu Mitschuldigen machen kann!

Claudia- Fasse dich! Sammle deine Gedanken, so vieldir möglich. Sag' es mir mit eins, was dir geschehen.

Emilia- Eben hatt' ich mich weiter von dem Altare,als ich sonst Pflege, denn ich kam zu spät auf meineKnie gelassen. Eben sing ich an, mein Herz zu erheben: als