13k
Emilia G.llotti.
dicht hinter mir etwas seinen Platz nahm. So dicht hintermir! — Ich konnte weder vor, noch zur Seite rucken, — sogern ich mich wollte; ans Furcht, daß eines andern Andachtmich in meiner stören mochte. — Andacht! das war dasschlimmste, was ich besorgte. — Aber es währte, nicht lange,so hört' ich, ganz nah' an meinem Ohre, — nach einem tie-fen Seufzer, — nicht den Namen einer Heiligen, — denNamen, — zürnen Sie nicht, meine Mutter — den NamenIhrer Tochter! — Meinen Namen! — O, daß laute Donnermich verhindert hätten, mehr zu hören! — Es sprach vonSchönheit, von Liebe — Es klagte, daß dieser Tag, welchermein Glück mache, — wenn er es anders mache — sein Unglück
auf immer entscheide. — Es beschwor mich--Hören mußt'
ich dieß alles. Aber ich blickte nicht um; ich wollte thun, alsob ich es nicht hörte — Was konnt' ich sonst? — Meinenguten Engel bitten, mich mit Taubheit zu schlagen; und wannauch, wann auch auf immer! — Das bat ich; das war daseinzige, was ich beten konnte. — Endlich ward es Zeit, michwieder zu erheben. Das heilige Amt ging zu Ende. Ich zit-terte, mich umzukehren. Ich zitterte, ihn zu erblicken, der siebden Frevel erlauben dürfen. Und da ich mich umwandte, daich ihn erblickte —
Claudia. Wen, meine Tochter?
iLmilia- Rathen Sie, meine Mutter; rathen Sie. — Ichglaubte in die Erde zu sinken. — Ihn selbst.Claudia. Wen ihn selbst? ^Emilia- Den Prinzen.
Claudia. Den Prinzen! — O gesegnet sey die Ungedulddeines Vaters, der eben hier war, und dich nicht erwarten wollte!
Emilia. Mein Vater hier? — und wollte mich nicht er-warten?
Claudia. Wann du in deiner Verwirrung auch ihn dashättest hören lassen!
LLmilia- Nun, meine Mutter? — Was hätt' er an mirstrafbares finden können?
Claudia. Nichts; eben so wenig, als an mir. Und doch,doch — Ha, du kennst deinen Vater nicht! Zn seinem Zorne