Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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emilia Galotti.

Sohn zu heißen; der Ihrige zu seyn, meine Emilia?

Emilia. Und er wollte mich nicht erwarten!

Appiani. Ich urtheile, weil ihn seine Emilia, für diesenaugenblicklichen Besuch, zu sehr erschüttert, zu sehr sich seinerganzen Seele bemächtiget hätte.

Claudia. Er glaubte dich mit deinem Brautschinucke be-schäftiget zu finden: und hörte

Appiani. Was ich mit der zärtlichsten Bewunderung wie-der von ihm gehört habe. So recht, meine Emilia! Ichwerde eine fromme Frau an Ihnen haben; und die nicht stolzauf ihre Frömmigkeit ist.

Claudia. Aber, meine Kinder, eines thun, und das an-dere nicht lassen! Nun ist es hohe Zeit; nun mach', Emilia!

Appiani, Was? meine gnädige Frau.

Claudia. Sie wollen sie doch nicht so, Herr Graf, sowie sie da ist, zum Altare führen?

Appiain. Wahrlich, das werd' ich nun erst gewahr.Wer kann Sie sehen, Emilia, und auch auf Ihren Putz ach-ten? Und warum nicht so, so wie sie da ist?

Emilia. Nein, mein lieber Graf, nicht so; nicht ganz so.Aber auch nicht viel prächtiger; nicht viel. Husch, busch,und ich bin fertig! Nichts, gar nichts von dem Geschmeide,dem letzten Geschenke Ihrer vcrschwcndrischcn Großmuth! Nichts,gar nichts, was sich nur zu solchem Geschmeide schickte! Ichkönnte ihm gram seyn, dicfcm Geschmeide, wenn es nicht vonIhnen wäre. Denn dreymal hat mir von ihm. gcträumct

Claudia. Nun? Davon weiß ich ja nichts.

Emilia- Als ob ich es trüge, und als ob plötzlich sich je-der Stein desselben in eine Perle verwandle. Perle» aber,meine Mutter, Perlen bedeuten Thränen.

Claudia. Kind! Die Bedeutung ist träumerischer, alsder Traum. Wärest du nicht von je her eine größere Lieb-haberinn von Perlen, als von Steinen?

Emilia. Freylich, meine Mnttcr, freylich

Appiani (nachdcirkcnd und schwermiilhi.,) Bedeuten Thränen!bedeuten Thränen!

Emilia. Wie? Ihnen fällt das auf? Ihnen ?