Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
139
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emilia Galotti.

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Nichts klingt in dieser Sprache") wie Alles: und Alles ist inihr so viel als Nichts.

Emilia. O meine Mutter! so müßte ich mir mit mei-ner Fnrcht vollends lächerlich vorkommen! Nun soll er ge-wiß nichts davon erfahren, mein guter Appiani! Er könntemich leicht für mehr eitel,*) als tugendhaft, halten. Huy!daß er da selbst kömmt! Es ist sein Gang.

Siebender Auftritt.

Graf Appiani. Die Vorigen.

Appiani (tritt tiefsinnig, mit vor sich hingcschlagncn Augen, herein,und kömmt näher, ohne sie zu erblicken; bis Emilia ihm cntgcgcnsprmgt.)Ah, meine Theuerste! Ich war mir Sie in dem Vorzimmernicht vermuthend.

Emilia. Zch wünschte Sie heiter, Herr Graf, auch woSie mich nicht vermuthen. So fcycrlich? so ernsthaft?Ist dieser Tag keiner freudigern Aufwallung werth?

Appiani- Er ist mehr werth, als mein ganzes Leben.Aber schwanger mit so viel Glückseligkeit für mich, mag cswohl diese Glückseligkeit selbst seyn, die mich so ernst, die mich,wie Sie cs nennen, mein Fräulein, so fcycrlich macht.(Indem er die Mutter erblickt.) Ha! auch Sie hier, meine gnädigeFrau! nun bald mir mit einem innigern Namen zuverehrende!

Claudia- Der mein größter Stolz seyn wird! Wieglücklich bist du, meine Emilia! Warum hat dein Vaterunsere Entzückung nicht theilen wollen?

Appiani. Eben hab' ich mich aus seinen Armen gerissen: oder vielmehr er, sich aus meinen. Welch ein Mann,meine Emilia, Ihr Vater! Das Muster aller männlichen Tu-gend! Zu was für Gesinnungen erhebt sich meine Seele in sei-ner Gegenwart! Nie ist mein Entschluß, immer gut, immeredel zu seyn, lebendiger, als wenn ich ihn sehe, wenn ichihn mir denke. Und womit sonst, als mit der Erfüllung die-ses Entschlusses kann ich mich der Ehre würdig machen, sein

°)in ihr" hat die Handschrift.°°)für eitler," in der Handschrift.