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Sunlia Galotti.
Mmilia- Aber, nicht, meine Mutter? Der Graf muß daswissen. Ihm muß ich es sagen.
Claudia. Um alle Welt nicht! — Wozu? warum? Willstdu für nichts, und wieder für nichts, ihn unruhig machen?Und wann er es auch ißt nicht würde: wisse, mein Kind, daßein Gift, welches nicht gleich wirket, darum kein minder ge-fährliches Gift ist. Was auf den Liebhaber keinen Eindruckmacht, kann ihn auf den Gemahl machen. Dem Liebhaberkönnt' es sogar schmeicheln, einem so wichtigen Mitbewerberden Rang abzulaufen. Aber wenn er ihm den nun einmal ab-gelaufen hat: ah! mein Kind, — so wird aus dem Liebhaberoft ein ganz anderes Geschöpf. Dein gutes Gestirn behüte dichvor dieser Erfahrung.
Ürmilia. Sie wissen, meine Mutter, wie gern ich Ihrenbessern Einsichten mich in allem unterwerfe. — Aber, wenn eres von einem andern erführe, daß der Prinz mich heute ge-sprochen? Würde mein Verschweigen nicht, früh oder spät, seineUnruhe vermehren? — Ich dächte doch, ich behielte lieber vorihm nichts auf dem Herzen.
Claudia. Schwachheit! verliebte Schwachheit! — Nein,durchaus nicht, meine Tochter! Sag' ihm nichts. Laß ihnnichts merken!
Emilia. Nun ja, meine Mutter! Ich habe keinen Willengegen den Zhrigcn. — Aha! (mit einem tiefen Athemzuge) Auchwird mir wieder ganz leicht. — Was für ein albernes, furcht-sames Ding ich bin! — Nicht, meine Mutter? — Ich hättemich noch wohl anders dabey nehmen können, und würde mireben so wenig vergeben haben.
Clandia. Zch wollte dir das nicht sagen, meine Tochter,bevor dir es dein eigner gesunder Verstand sagte. Und ichwußte, er würde dir es sagen, sobald du wieder zu dir selbstgekommen. — Der Prinz ist galant. Du bist die unbedeutendeSprache der Galanterie zu wenig gewohnt. Eine Höflichkeitwird in ihr zur Empfindung; eine Schmeichele») zur Vcthcuc-rung; ein Einfall zum Wunsche; ein Wunsch zum Vorsätze.