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vmilu, Galotti.
Emili«. Ah, gnädigster Herr! wo sind sie? Wo ist mcincMutter?
Der Prinz, Nicht weit; hier ganz in der Nähe.
LLmilia. Gott , in welchem Zustande werde ich die eine,oder den andern, vielleicht treffen! Ganz gewiß treffen! —Denn Sic vcrhcclcn mir, gnädiger Herr — ich seh' es, Sicvcrhcelcn mir —
Der Prinz. Nicht doch, bestes Fräulein. — Geben Siemir Zhrcn Arm, und folgen Sie mir getrost.
iLmilia (unentschlossen) Aber — wenn ihnen nichts wicdcrfahren— wenn meine Ahnungen mich trügen: — warum sind sie nichtschon hier? Warum kamen sie nicht mit Ihnen, gnädiger Herr?
Der Prinz. So eilen Sie doch, mein Fräulein, alle dieseSchrcckcnbildcr mit eins verschwinden zu sehen. —
EmiltK- Was soll ich thun? (die Hände ringend)
Der Prinz. Wie, mein Fräulein? Sollten Sic einen Ver-dacht gegen mich Hägen? —
Emilia (die vor ihm niederfällt) Zu Ihren Füßen, gnädigerHerr —
Der Prinz (sie aufhebend) Zch bin äußerst beschämt. — Za,Emilia, ich verdiene diesen stummen Norwurf. — Mein Betragendiesen Morgen, ist nicht zu rechtfertigen: — zu entschuldigenhöchstens. Verzeihen Sie meiner Schwachheit. Zch hätte Sicmit kcincm Gcständnissc beunruhigen sollen, von dem ich keinenVortheil zu erwarten habe. Auch ward ich durch die sprachloseBestürzung, mit der Sie es anhörten, oder vielmehr nicht an-hörten, genugsam bestraft. — Und könnt' ich schon diesen Zu-fall, der mir nochmals, ehe alle meine Hoffnung auf ewig ver-schwindet, — mir nochmals das Glück Sie zu sehen und zusprechen vcrschast; könnt' ich schon diesen Zufall für den Winkeines günstigen Glückes erklären, — für den wunderbarstenAufschub meiner endlichen Vcrurthcilung erklären, um nochmalsum Gnade flchcn zu dürfen: so will ich doch — Beben Sicnicht, mein Fräulcin — einzig und allein von Ihrem Blickeabhängen. Kein Wort, kein Seufzer, soll Sic beleidigen. —Nur kränke mich nicht Ihr Mißtrauen. Nur zweifeln Sie kei-nen Augenblick an der unumschränktesten Gewalt, die Sie über