ömilia Galotti.
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mich haben. Nur falle Ihnen nie bey, daß Sie eines andernSchlitzes gegen mich bedürfen. — Und nun kommen Sie, meinFräulein, — kommen Sie, wo Entzückungen auf Sie warten,die Sie mehr billigen. (Er führt sie, nicht ohne Sträuben, ab) Fol-gen Sie uns, Marinelli. —
Marinelli. Folgen Sie uns, — das mag heißen: folgenSie uns nicht! — Was hätte ich ihnen auch zu folgen? Ermag sehen, wie weit er es unter vier Augen mit ihr bringt.— Alles, was ich zu thun habe, ist, — zu verhindern, daßsie nicht gcstörct werden. Von dem Grafen zwar, hoffe ich nunwohl nicht. Aber von der Mutter; von der Mutter! Es solltemich sehr wundern, wenn die so ruhig abgezogen wäre, undihre Tochter im Stiche gelassen hätte. — Nun, Battista? wasgicbts?
Sechster Auftritt.Battista- Marinelli.
Battista (eiligst) Die Mutter, Herr Kammcrhcrr —
Marinelli- Dacht' ichs doch! — Wo ist sie?
Battista. Wenn Sie ihr nicht zuvorkommen, so wird sieden Augenblick hier seyn. — Ich war gar nicht Willens, wieSie mir zum Schein gebothen, mich nach ihr umzusehen: alsich ihr Geschrey von weitem hörte. Sie ist der Tochter aufder Spur; und wo nur nicht — unserm ganzen Anschlage!Alles, was in dieser einsamen Gegend von Menschen ist, hatsich um sie versammelt; und jeder will der seyn, der ihr denWeg weiset. Ob man ihr schon gesagt, daß der Prinz hierist, daß Sie hier sind, weiß ich nicht. — Was wollen Sie thun ?
Marinelli. Laß sehen! — (Er überlegt.) Sie nicht einlassen,wenn sie weiß, daß die Tochter hier ist? — Das geht nicht. —Freylich, sie wird Augen machen, wenn sie den Wolf bey demSchäfchen sieht. — Augen? Das möchte noch seyn. Aber derHimmel sey unsern Ohren gnädig! — Nun was? die besteLunge erschöpft sich; auch so gar eine weibliche. Sie hören alleauf zu schreyen, wenn sie nicht mehr können. — Dazu, es istdoch einmal die Mutter, die wir auf unsrer Seite haben müs-sen. — Wenn ich die Mütter recht kenne: — so etwas von