Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
155
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ömilia Galotti.

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mich haben. Nur falle Ihnen nie bey, daß Sie eines andernSchlitzes gegen mich bedürfen. Und nun kommen Sie, meinFräulein, kommen Sie, wo Entzückungen auf Sie warten,die Sie mehr billigen. (Er führt sie, nicht ohne Sträuben, ab) Fol-gen Sie uns, Marinelli.

Marinelli. Folgen Sie uns, das mag heißen: folgenSie uns nicht! Was hätte ich ihnen auch zu folgen? Ermag sehen, wie weit er es unter vier Augen mit ihr bringt. Alles, was ich zu thun habe, ist, zu verhindern, daßsie nicht gcstörct werden. Von dem Grafen zwar, hoffe ich nunwohl nicht. Aber von der Mutter; von der Mutter! Es solltemich sehr wundern, wenn die so ruhig abgezogen wäre, undihre Tochter im Stiche gelassen hätte. Nun, Battista? wasgicbts?

Sechster Auftritt.Battista- Marinelli.

Battista (eiligst) Die Mutter, Herr Kammcrhcrr

Marinelli- Dacht' ichs doch! Wo ist sie?

Battista. Wenn Sie ihr nicht zuvorkommen, so wird sieden Augenblick hier seyn. Ich war gar nicht Willens, wieSie mir zum Schein gebothen, mich nach ihr umzusehen: alsich ihr Geschrey von weitem hörte. Sie ist der Tochter aufder Spur; und wo nur nicht unserm ganzen Anschlage!Alles, was in dieser einsamen Gegend von Menschen ist, hatsich um sie versammelt; und jeder will der seyn, der ihr denWeg weiset. Ob man ihr schon gesagt, daß der Prinz hierist, daß Sie hier sind, weiß ich nicht. Was wollen Sie thun ?

Marinelli. Laß sehen! (Er überlegt.) Sie nicht einlassen,wenn sie weiß, daß die Tochter hier ist? Das geht nicht.Freylich, sie wird Augen machen, wenn sie den Wolf bey demSchäfchen sieht. Augen? Das möchte noch seyn. Aber derHimmel sey unsern Ohren gnädig! Nun was? die besteLunge erschöpft sich; auch so gar eine weibliche. Sie hören alleauf zu schreyen, wenn sie nicht mehr können. Dazu, es istdoch einmal die Mutter, die wir auf unsrer Seite haben müs-sen. Wenn ich die Mütter recht kenne: so etwas von