Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
159
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Emilia Galotti.

Vierter Aufzug.

(Die Scene bleibt.)Erster Auftritt.Der Prinz. Marinelli.Der Prinz (als ans dem Zimmer von Emilim kommend.) Kom-men Sie, Marinelli! Ich muß mich erholen — lind muß Lichtvon Zhncn haben.

Marinelli. O der mütterlichen Wuth! Ha! ha! ha!Der Prinz. Sie lachen?

Marinelli. Wenn Sie gesehen hätten, Prinz, wie toll sichhier, hier im Saale, die Mutter gcbchrdctc — Sie hörten sieja wohl schreyen! — und wie zahm sie auf einmal ward, beydem ersten Anblicke von Zhncn — — Ha! ha! — Das weißich ja wohl, daß keine Mutter einem Prinzen die Augen aus-kratzt, weil er ihre Tochter schön findet.

Der Prinz- Sie sind ein schlechter Beobachter! — DieTochter stürzte der Mutter ohnmächtig in die Arme. Darübervergaß die Mutter ihre Wuth: nicht über mich. Zhrc Tochterschonte sie, nicht mich; wenn sie es nicht lauter, nicht deutlichersagte, — was ich lieber selbst nicht gehört, nicht verstandenhaben will.

Marinelli. Was, gnädiger Herr?

Der Prinz. Wozu die Verstellung? — Heraus damit. Istes wahr? oder ist es nicht wahr?

Marinelli. Und wenn es denn wäre!

Der Prinz. Wenn es denn wäre? — Also ist es? — Erist todt? todt? — (drohend) Marinelli! Marinelli!

Marinelli. Nun?

Der Prinz. Bey Gott! bey dem allgcrcchtcn Gott! ich binunschuldig an diesem Blute. — Wenn Sie mir vorhcrgcsagthätten, daß es dem Grafen das Leben kosten werde — Nein,nein! und wenn es mir selbst das Lcbcn gekostet hätte! —

Marinelli. Wenn ich Ihnen vorher gesagt hätte? — Alsob sein Tod in meinem Plane gewesen wäre! Ich hatte es demAngclo auf die Seele gebunden, zu verhüten, das niemanden