Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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vmilia Galotti.

Claudia- Der Prinz? Sagen Sie wirklich, der Prinz? Unscr Prinz?

Marinclli. Welcher sonst?

Claudia. Nun dann! Ich unglückselige Mutter!Und ihr Batcr! ihr Vater! Er wird den Tag ihrer Geburtverfluchen. Er wird mich verfluchen.

XNarinelli. Um des Himmels willen, gnädige Frau! Wasfällt Ihnen nun ein?

Claudia. Es ist klar! Ist es nicht? Heute, imTempel! vor den Augen der Allcrrcincstcn! in der nähern Ge-genwart des Ewigen! begann das Bubenstück; da brach esaus! (gegen den Marinclli.) Ha, Mörder! feiger, elender Mörder!Nicht tapfer genug, mit eigner Hand zu morden: aber nichts-würdig genug, zu Befriedigung eines fremden Kitzels zu mor-den! morden zu lassen! Abschaum aller Mörder!Was ehrliche Mörder sind, werden dich unter sich nicht dulden!Dich! Dich! Denn warum soll ich dir nicht alle meine Galle,allen meinen Geifer mit einem einzigen Worte ins Gesichtspcycn? Dich! Dich Kuppler!

N?arinelli. Sie schwärmen, gute Frau. Aber mäßigenSie wenigstens Ihr wildes Geschrey, und bedenken Sie, woSie sind.

Claudia. Wo ich bin? Bedenken, wo ich bin? Waskümmert es die Löwinn, der man die Zungen gcraubct, inwessen Walde sie brüllet?

Emilia (innerhalb) Ha, meine Mutter! Ich höre meineMutter!

Claudia- Ihre Stimme? Das ist sie! Sie hat mich ge-hört; sie hat mich gehört. Und ich sollte nicht schreyen?Wo bist du, mein Kind? Ich komme, ich komme! (Sie stürztin das Zimmer, und Marinclli ihr nach.)