Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
162
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Emilia Galotti.

Der Prinz. Ich?

Marinelli. Er erlaube mir, ihm zu sagen, daß der Schritt,den er heute Morgen in der Kirche gethan, mit so vielemAnstandc er ihn auch gethan/) so unvermeidlich er ihn auchthun mußte daß dieser Schritt dennoch nicht in den Tanzgehörte.

Der Prinz. Was verdarb er denn auch?

Marinelli. Freylich nicht den ganzen Tanz; aber doch voritzo den Takt. .

Der Prinz. Hm! Versteh' ich Sie?

Marinelli. Also, kurz und einfältig. Da ich die Sacheübernahm, nicht wahr, da wußte Emilia von der Liebe desPrinzen noch nichts? Emilicns Mutter noch weniger. Wennich nun auf diesen Umstand baute? und der Prinz indeß denGrund meines Gebäudes untergrub?

Der Prinz (sich vor die Stirne schlagend.) Verwünscht!

Marinelli. Wenn er es nun selbst verrieth, was er imSchilde führe?

Der Prinz. Verdammter Einfall!

Marinelli. Und wenn er es nicht selbst verrathen hätte? Traun!"") Ich möchte doch wissen, aus welcher meiner An-stalten, Mutter oder Tochter den geringsten Argwohn gegen ihnschöpfen könnte?

Der Prinz. Daß Sie Recht haben!

Marinelli. Daran thu' ich freylich sehr Unrecht Siewerden verzeihen, gnädiger Herr.

Zweyter Austritt.

ZZattista. Der Prinz. Marinelli.Natlista (eiligst) Eben kömmt die Gräfinn an.Der Prinz. Die Gräfinn? Was für eine Gräfinn?Dattista. Orsina.

Der Prinz. Orsina? Marinelli! Orsina? Marinelli!Marinelli. Ich erstaune darüber nicht weniger als Sie selbst.

°)gethan hat," in der Handschrift. Erst hieß esmit so vielemAnstandc er auch geschehen scvn mag."

°°) Das WortTraun!" fehlt der Handschrift.