Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
165
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Emilia vnlotli.

cs schicklich ist, mit Zhiicn hier in dein Vorgcmache einen clcn-dc» Schnickschnack zu halten, indeß der Prinz in dein Gemacheans mich wartet?

Marmelli. Sie irren sich, gnädige Gräfinn. Der Prinzerwartet Sie nicht. Der Prinz kann Sie hier nicht sprechen, will Sie nicht sprechen.

Orsina. Und wäre doch hier? nnd wäre doch ans meinenBrief hier?

N7arinelli. Nicht auf Ihren Brief

Grsina. Den er ja erhalten, sagen Sie

Marmclli. Erhalten, aber nicht gelesen.

Orsina (heftig) Nicht gelesen? (minder heftig) Nicht ge-lesen? (wehmüthig/ und eine Thräne aus dem Auge wischend) Nichteinmal gelesen?

Marinclli. Ans Zerstreuung, weiß ich. Nicht ausVerachtung.

GrsknK (stolz) Verachtung? Wer denkt daran? Wembrauchen Sie das zu sagen? Sie sind ein unverschämterTröster, Marinclli! Acrachtnng! Verachtung! Mich verachtetman auch! Mich! (gelinder, bis zum Tone der Schwcrmuih) Frey-lich liebt er mich nicht mehr. Das ist ausgemacht. Und andie Stelle der Liebe trat in seiner Seele etwas anders. Dasist natürlich. Aber warum denn eben Verachtung? Es brauchtja mir Gleichgültigkeit zu seyn. Nicht wahr, Marinclli?

XNarinelli. Allerdings, allerdings.

Grsina (höhnisch) Allerdings? O des weisen Mannes,den man sagen lassen kann, was man will! Gleichgültig-keit! Gleichgültigkeit an die Stelle der Liebe? Das heißt,Nichts an dic Stcllc von Etwas. Dcnn lcrncn Sie, nachplau-dcrndcs Hosmännchcn, lernen Sie von einem Weibe, daß Gleich-gültigkeit ein leeres Wort, ein bloßer Schall ist, dem nichts,gar nichts, entspricht. Gleichgültig ist dic Seele nur gegen das,woran sie nicht denkt; nur gegen ein Ding, das für sie keinDing ist- Und nur gleichgültig für cm Ding, das kein Dingist, das ist so viel, als gar nicht gleichgültig, Ist dirdas zu hoch, Mensch?