Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
173
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vmilia Galotti.

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scincn gröbsten Lügen seyn. Zch fühle so was! Undglauben Sie, glauben Sie mir: wer über gewisse Dinge denVerstand nicht verlieret, der hat keinen zu verlieren.

Gdoarvo. Was soll ich denken?

GrsinK. Daß Sie mich also ja nicht verachten! Dennauch Sie haben Verstand, guter Alter; auch Sie. Zch seh'es an dieser entschlossenen, ehrwürdigen Mine. Auch Sie ha-ben Verstand; und es kostet mich ein Wort, so habenSie keinen.

Gdoardo. Madame! Madame! Zch habe schonkeinen mehr, noch ehe Sie mir dieses Wort sagen, wenn Siemir es nicht bald sagen. Sagen Sie es! sagen Sie es!Oder es ist nicht wahr, es ist nicht wahr, daß Sie vonjener guten, unsers Mitleids, unsrer Hochachtung so würdigenGattung der Wahnwitzigen sind Sie sind eine gemeineThörinn. Sie haben nicht, was Sie nie hatten.

Grsl'na. So merken Sie aus! Was wissen Sie, derSie schon genug wissen wollen? Daß Appiani verwundet wor-den? Nur verwundet? Appiani ist todt!

Gvoardo. Todt? todt? Ha, Frau, das ist wider dieAbrede. Sie wollten mich um den Verstand bringen: und Siebrechen mir das Herz.

GrsinK. Das beyher! Nur weiter. Der Bräutigamist todt: und die Braut Ihre Tochter schlimmer als todt.

Göoardo. Schlimmer? schlimmer als todt? Aber dochzugleich, auch todt? Denn ich kenne nur Ein Schlimmeres

Vrsina. Nicht zugleich auch todt. Nein, guter Vater,nein! Sie lebt, sie lebt. Sie wird nun erst recht anfangenzu leben. Ein Leben voll Wonne! das schönste, lustigsteSchlaraffenleben, so lang' es dauert.

Gdoardo. Das Wort, Madame; das einzige Wort, dasmich um den Verstand bringen soll! Heraus damit! Schüt-ten Sie nicht Zhrcn Tropfen Gift in einen Eimer! Daseinzige Wort! geschwind.

Grslna. Nun da; buchstabircn Sie es zusammen! DesMorgens, sprach der Prinz Ihre Tochter in der Messe: desNachmittags, hat er sie auf seinem Lust Lustschlossc.