vinilia Galotti.
175
vergessen. — Kennen Sie mich? Ich bin Orsinai die betrogene,verlassene Orsina. — Zwar vielleicht nur um Ihre Tochter ver-lassen. — Doch was kann Ihre Tochter dafür? — Bald wirdauch sie verlassen seyn. — Und dann wieder eine! — Und wie-der eine! — Ha! (wie in der Entzückung) welch eine himmlischePhantasie! Wann wir einmal alle, — wir, das ganze Heerder Verlassenen, wir alle, in Bacchantinnen, in Furien ver-wandelt, wenn wir alle ihn unter uns hätten, ihn unter unszerrissen, zerfleischten, sein Eingeweide durchwühlten, — um dasHerz zu finden, das der Vcrräthcr einer jeden versprach, undkeiner gab! Ha! das sollte ein Tanz werden! das sollte!
Achter Auftritt.
Claudia Galotti. Die Vorigen.
Claudia (die im Hcreintretm sich umsiehet, und sobald sie ihren Ge-mahl erblickt, auf ihn zu flieget) Errathen! — Ah, unser Beschützer,unser Retter! Bist du da, Odoardo? Bist du da? — Ausihren Wispern, aus ihren Minen schloß ich es. — Was sollich dir sagen, wenn du noch nichts weißt? — Was soll ichdir sagen, wenn du schon alles weißt? — Aber wir sind un-schuldig. Ich bin unschuldig. Deine Tochter ist unschuldig.Unschuldig, in allem unschuldig!
Gdoardo (der sich bey Erblicknng seiner Gemahlinn zu fassen gesucht.)Gut, gut. Sey nur ruhig, nur ruhig, — und antworte mir.(gegen die Srsina) Nicht, Madame, als ob ich noch zweifelte —Ist der Graf todt?
Claudia. Todt.
Odoardo. Ist cs wahr, daß der Prinz heute MorgenEmilicn in der Messe gesprochen?
Claudia. Wahr. Aber wenn du wüßtest, welchen Schreckes ihr verursacht; in welcher Bestürzung sie nach Hause kam —
Grsl'nK. Nun? hab' ich gelogen?
Gdoardo (mit einem bittern Lachen) Ich wollt' auch nicht, Siehätten! Um wie vieles nicht!Grsina. Bin ich wahnwitzig?
Vdoardo (wild hin und her gehend) O — noch bin ich csauch nicht. —