Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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176
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Emilia Galotti.

Claudia. Du gebothest mir, ruhig zu seyn; und ich binruhig. Bester Mann, darf auch ich ich dich bitten

Odoardo. Was willst du ? Bin ich nicht ruhig? Kannman ruhiger seyn, als ich bin? (Sich zwingend.) Weiß es Emi-lia, daß Appiani todt ist?

Claudia. Wissen kann Sie es nicht. Aber ich fürchte, daßsie es argwohnet; weil er nicht erscheinet.

Odoardo. Und sie jammert und winselt.

Claudia. Nicht mehr. Das ist vorbey: nach ihrer Art,die du kennest. Sie ist die Furchtsamste und Entschlossensteunsers Geschlechts. Ihrer ersten Eindrücke nie mächtig: abernach der geringsten Ilcbcrlcgung in alles sich findend, auf allesgefaßt. Sie hält den Prinzen in einer Entfernung; sie sprichtmit ihm in einem Tone Mache nur, Odoardo, daß wirwegkommen.

Odoardo. Ich bin zu Pferde. Was zu thun? Doch,Madame, Sie fahren ja nach der Stadt zurück?Orsina. Nicht anders.

Odoardo. Hätten Sie wohl die Gewogenheit, meine Fraumit sich zu nehmen?

Orsina. Warum nicht? Sehr gern.

Odoardo. Claudia, (ihr die Gräfinn bekannt machend) dieGräfinn Orsina; eine Dame von großem Verstände; meineFreundinn, meine Wohlthäterinn. Du mußt mit ihr herein;um uns sogleich den Wagen heraus zu schicken. Emilia darfnicht wieder nach Guastalla. Sie soll mit mir.

Clandia. Aber wenn mir Ich trenne mich ungernvon dem Kinde.

Odoardo. Bleibt der Vater nicht in der Nahe? Manwird ihn endlich doch vorlassen. Keine Einwendung! Kom-men Sie, gnädige Frau, (leise zu ihr) Sie werden von mir hö-ren. Komm, Elaudia. (Er fuhrt sie ab.)