Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
177
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Emilia Galotti.

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Fünfter Aufzug.

(Die Sccnc bleibt.)Erster Auftritt.Marinelli. Der Prinz.

Marinelli. Hier, gnädiger Herr, ans diesem Fenster kön-nen Sie ihn sehen. Er geht die Arkade auf nnd nieder.Eben biegt er ein; er kömmt. Nein, er kehrt wieder nmGanz einig ist er mit sich noch nicht. Aber nm ein großesruhiger ist er, oder scheinet er. Für uns gleich viel!Natürlich! Was ihm auch beide Weiber in den Kops gesetzthaben, wird er es wagen zu äußern? Wie Battista gehört,soll ihm seine Frau den Wagen sogleich hcrausscndcn. Denner kam zu Pferde. Geben Sie Acht, wenn er nun vor Ih-nen erscheinet, wird er ganz nntcrthänigst Eurer Durchlauchtfür den gnädigen Schutz danken, den seine Familie bey diesemso traurigen Zufalle hier gefunden; wird sich, mit samt seinerTochter, zu fernerer Gnade empfehlen; wird sie ruhig nach derStadt bringen, und es in tiefster Unterwerfung erwarten, wel-chen weiter» Antheil Euer Durchlaucht an seinem unglückli-chen, lieben Mädchen zu nehmen geruhen wollen.

Der Prinz. Wenn er nun aber so zahm nicht ist? Undschwerlich, schwerlich wird er es seyn. Ich kenne ihn zu gut.Wenn er höchstens seinen Argwohn erstickt, seine Wuth verbeißt:aber Emilicn, anstatt sie nach der Stadt zu führen, mit sichnimmt? bey sich behält? oder wohl gar in ein Kloster, außermeinem Gebiethe, verschließt? Wie dann?

Marinelli. Die fürchtende Liebe sieht weit. Wahrlich!Aber er wird ja nicht

Der Prinz. Wenn er nun aber! Wie dann? Was wirdes uns dann helfen, daß der unglückliche Gras sein Leben dar-über verloren?

Marinelli. Wozu dieser traurige Seitenblick? Vorwärts!denkt der Sieger: es falle neben ihm Feind oder Freund.Und wenn auch! Wenn er es auch wollte, der alte") Ncid-

°)garstige" ist nachalle" i» der Handschrist getilgt.LeslmgS V?«'kc ii. 12