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Smilia Galotti.
hart, was Sie von ihm fürchten, Prinz: — (überlegend) Dasgeht! Ich hab' es! — Weiter als zum Wollen, soll er es ge-wiß nicht bringen. Gewiß nicht! — Aber daß wir ihn nichtans dem Gesichte verlieren! — (Tritt wieder ans Fenster ) Baldhätt' er uns überrascht! Er kömmt. — Lassen Sie uns ihmnoch ausweichen: und hören Sie erst, Prinz, was wir auf denzu befürchtenden Fall thun müssen.
Der Prinz (drohend) Nur, Marinclli! —Marmelli. Das unschuldigste von der Welt!
Zweyter Auftritt.Odoardo Galotti.Noch niemand hier? — Gut; ich soll noch kälter werden.Es ist mein Glück. — Nichts verächtlicher, als ein brausenderZünglingskopf mit grauen Haaren! Ich hab' es mir so oft ge-sagt. Und doch ließ ich mich fortreißen: und von wem? Voneiner Eifersüchtigen; von einer für Eifersucht Wahnwitzigen. —Was hat die gekränkte Tugend mit der Rache des Lasters zuschaffen? Jene allein hab' ich zu retten. — Und deine Sache,— mein Sohn! mein Sohn! — Weinen konnt' ich nie; —und will es nun nicht erst lernen — Deine Sache wird einganz anderer zu seiner machen. Genug für mich, wenn deinMörder die Frucht seines Verbrechens nicht genießt. — Dießmartere ihn mehr, als das Verbrechen! Wenn nun bald ihnSättigung und Eckcl von Lüsten zu Lüsten treiben; so vergälledie Erinnerung, diese eine Lust nicht gcbüßct zu haben, ihm denGenuß aller! Zn jedem Traume führe der blutige Bräutigamihm die Braut vor das Bette; und wann er dennoch den wol-lüstigen Arm nach ihr ausstreckt: so höre er plötzlich das Hohn-gelächter der Holle, und erwache!
Dritter Auftritt.Marinclli. Gdoardo Galotti-. Marinelli, Wo blieben Sie, mein Herr? wo blieben Sie?Gvoardo. War meine Tochter hier?rNarinelli. Nicht sie: aber der Prinz.Odoardo. Er verzeihe. — Ich habe die Gräfinn begleitet.