Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
178
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Smilia Galotti.

hart, was Sie von ihm fürchten, Prinz: (überlegend) Dasgeht! Ich hab' es! Weiter als zum Wollen, soll er es ge-wiß nicht bringen. Gewiß nicht! Aber daß wir ihn nichtans dem Gesichte verlieren! (Tritt wieder ans Fenster ) Baldhätt' er uns überrascht! Er kömmt. Lassen Sie uns ihmnoch ausweichen: und hören Sie erst, Prinz, was wir auf denzu befürchtenden Fall thun müssen.

Der Prinz (drohend) Nur, Marinclli!Marmelli. Das unschuldigste von der Welt!

Zweyter Auftritt.Odoardo Galotti.Noch niemand hier? Gut; ich soll noch kälter werden.Es ist mein Glück. Nichts verächtlicher, als ein brausenderZünglingskopf mit grauen Haaren! Ich hab' es mir so oft ge-sagt. Und doch ließ ich mich fortreißen: und von wem? Voneiner Eifersüchtigen; von einer für Eifersucht Wahnwitzigen.Was hat die gekränkte Tugend mit der Rache des Lasters zuschaffen? Jene allein hab' ich zu retten. Und deine Sache, mein Sohn! mein Sohn! Weinen konnt' ich nie;und will es nun nicht erst lernen Deine Sache wird einganz anderer zu seiner machen. Genug für mich, wenn deinMörder die Frucht seines Verbrechens nicht genießt. Dießmartere ihn mehr, als das Verbrechen! Wenn nun bald ihnSättigung und Eckcl von Lüsten zu Lüsten treiben; so vergälledie Erinnerung, diese eine Lust nicht gcbüßct zu haben, ihm denGenuß aller! Zn jedem Traume führe der blutige Bräutigamihm die Braut vor das Bette; und wann er dennoch den wol-lüstigen Arm nach ihr ausstreckt: so höre er plötzlich das Hohn-gelächter der Holle, und erwache!

Dritter Auftritt.Marinclli. Gdoardo Galotti-. Marinelli, Wo blieben Sie, mein Herr? wo blieben Sie?Gvoardo. War meine Tochter hier?rNarinelli. Nicht sie: aber der Prinz.Odoardo. Er verzeihe. Ich habe die Gräfinn begleitet.