Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
179
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Emilia Galotti.

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Marinelli. Nun?

Odoardo. Die gute Damc!

Marinelli. Und Zhre Gemahlinn?

Odoardo. Ist mit der Gräfinn; um uns den Wagensogleich heraus zu senden. Der Prinz vergönne nur, daß ichmich so lange mit meiner Tochter noch hier verweile.

Marinelli. Wozu diese Umstände? Würde sich der Prinznicht ein Vergnügen daraus gemacht haben, sie beide, Mutterund Tochter, selbst nach der Stadt zu bringen?

Odoardo. Die Tochter wenigstens würde diese Ehre habenverbitten müssen.

Marinelli. Wie so?

Odoardo. Sie soll nicht mehr nach Guastalla.Marinelli. Nicht? und warum nicht?Odoardo. Der Graf ist todt.Marinelli- Um so viel mehrOdoardo. Sie soll mit mir.Marinelli. Mit Ihnen?

Odoardo- Mit mir. Ich sage Ihnen ja, der Graf isttodt. Wenn Sie es noch nicht wissen Was hat sie nunweiter in Guastalla zu thun? Sie soll mit mir.

Marinelli. Allerdings wird der künftige Aufenthalt derTochter einzig von dem Willen des Vaters abhängen. Nurvors erste

Odoardo. Was vors erste?

Marinelli. Werden Sie wohl erlauben müssen, HerrOberster, daß sie nach Guastalla gebracht wird.

Odoardo. Meine Tochter? nach Guastalla gebracht wird?und warum?

Marinelli. Warum? Erwägen Sie doch nur

Odoardo (hitzig) Erwägen! erwägen! Ich erwäge, daß hiernichts zu erwägen ist. Sie soll, sie muß mit mir.

Marinelli. O, mein Herr, was brauchen wir, unshierüber zu ereifern? Es kann seyn, daß ich mich irre; daß esnicht nöthig ist, was ich für nöthig halte. Der Prinz wirdes am besten zu beurtheilen wissen. Der Prinz entscheide.Ich geh' und hohle ihn.

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