Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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(nnilia Galotti.

Vierter Austritt.

Odoardo Galotti-Wie? Nimmcrmchr! Mir vorschreiben, wo sie hinsoll? Mir sie vorenthalten? Wer will das? Wer darfdas? Der hier alles darf, was er will? Gut, gut; so soller sehen, wie viel auch ich darf, ob ich es schon nicht dürfte!Kurzsichtiger Wüthcrich! Mit dir will ich es wohl aufnehmen.Wer kein Gesetz achtet, ist eben so mächtig, als wer kein Ge-setz hat. Das weißt du nicht? Komm an! komm an!--

Aber sich da! Schon wieder; schon wieder rennet der Zornmit dem Verstände davon. Was will ich? Erst mußt' esdoch geschehen seyn, worüber ich tobe. Was plaudert nicht eineHofschranzc! Und hätte ich ihn doch nur plaudern lassen! Hätteich seinen Vorwand, warum sie wieder nach Guastalla soll,doch nur angehört! So könnte ich mich itzt auf eine Ant-wort gefaßt machen. Zwar auf welchen kann mir einefehlen? Sollte sie mir aber fehlen; sollte sie Man kömmt.Ruhig, alter Knabe, ruhig.'

Fünfter Austritt.

Der Prinz. Marinelli. Odoardo Galotti.

Der Prinz, Ah, mein lieber, rechtschaffner Galotti, soetwas mnß auch geschehen, wenn ich Sie bey mir sehen soll.Um ein Geringeres thun Sie es nicht. Doch keine Vorwürfe!

Gvoardo. Gnädiger Herr, ich halte es in allen Fällen fürunanständig, sich zu seinem Fürsten zu drengcn. Wen er kennt,den wird er fodcrn lassen, wenn er seiner bedarf. Selbst itztbitte ich um Verzeihung

Der Prinz. Wie manchem andern wollte ich diese stolzeBescheidenheit wünschen! Doch zur Sache. Sie werden be-gierig seyn, Ihre Tochter zu sehen. Sie ist in neuer Unruhe,wegen der plötzlichen Entfernung einer so zärtlichen Mutter.Wozu auch diese Entfernung? Ich wartete nur, daß die lie-benswürdige Emilie sich völlig crhohlct hätte, um beide imTriumphe nach der Stadt zu bringen. Sie haben mir diesen