Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
187
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Emilia Galotti.

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ser an Euch, als an Uns. Ha, wenn das deine Ruhe ist:so habe ich meine in ihr wieder gefunden! Laß dich umarmen,meine Tochter! Denke nur: unter dem Vorwandc einer ge-richtlichen Untersuchung, o des höllischen Gauckelspiclcs!reißt er dich aus unsern Armen, und bringt dich zur Grimaldi .

Emilia. Reißt mich? bringt mich? Will mich reißen;will mich bringen: will! will! Als ob wir, wir keinen Wil-len hätten, mein Vater!

Odoardo. Zch ward auch so wütend, daß ich schon nachdiesem Dolche griff, (Ihn herausziehend) um einen von beidenbeiden! das Herz zu durchstoßen.

Emilia. Um des Himmels willen nicht, mein Vater!Dieses Leben ist alles, was die Lasterhaften haben. Mir,mein Vater, mir geben Sie diesen Dolch.

Odoardo. Kind, es ist keine Haarnadel.

Emilia. So werde die Haarnadel zum Dolche! Gleich viel.

Odoardo. Was? Dahin wär' es gekommen? Nicht doch;nicht doch! Besinne dich. Auch du hast nur Ein Leben zuverlieren.

Emilia. Und nur Eine Unschuld!Odoardo. Die über alle Gewalt erhaben ist.Emilia- Aber nicht über alle Verführung. Gewalt!Gewalt! wer kann der Gewalt nicht trotzen? Was Gewaltheißt, ist nichts: Verführung ist die wahre Gewalt. Zchhabe Bllit, mein Vater; so jugendliches, so warmes Blut, alseine. Auch meine Sinne, sind Sinne. Ich stehe für nichts.Zch bin für nichts gut. Zch kenne das Haus der Grimaldi.Es ist das Haus der Freude. Eine Stunde da, unter denAugen meiner Mutter; und es erhob sich so mancher Tu-mult in meiner Seele, den die strengsten Übungen der Religionkaum in Wochen besänftigen konnten. Der Religion! Undwelcher Religion? Nichts Schlimmcrs zu vermeiden, spran-gen Tausende in die Fluchen, und sind Heilige! Geben Siemir, mein Vater, geben Sie mir diesen Dolch.

Odoardo. Und wenn du ihn kenntest diesen Dolch!Emilia- Wenn ich ihn auch nicht kenne! Ein unbe-