Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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186
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Emilia Ealotti.

LLmilia. Warum nicht, mein Vater? Entweder istnichts verloren: oder alles. Ruhig seyn können, und ruhig seynmüssen; kömmt es nicht auf eines?

Odoardo. Aber, was mcyncst du, daß der Fall ist?

iLmilia. Daß alles verloren ist; und daß wir wohlruhig seyn müssen, mein Vater.

Odoardo. Und du wärest ruhig, weil du ruhig seyn mußt? Wer bist du? Ein Mädchen? und meine Tochter? So sollteder Mann, und der Vater sich wohl vor dir schämen? Aberlaß doch hören: was nennest du, alles verloren? daß derGraf todt ist?

Lmilia. Und warum er todt ist! Warum! Ha, so ist eswahr, mein Vater? So ist sie wahr die ganze schreckliche Ge-schichte, die ich in dem nassen und wilden Auge meiner Mutterlas? Wo ist meine Mutter? Wo ist sie hin, mein Vater?

Odoardo. Voraus; wann wir anders ihr nachkommen.

iLmilia. Ze eher; je besser. Denn wenn der Graf todtist; wenn er darum todt ist darum! was verweilen wir nochhier? Lassen Sie uns fliehen, mein Vater!

Odoardo. Fliehen? Was hätt' es dann für Noth?Du bist, du bleibst in den Händen deines Räubers.

iLmilia. Ich bleibe in seinen Händen?

Odoardo. Und allein; ohne deine Mutter; ohne mich.

Lmilia. Ich allein in seinen Händen? Nimmermehr,mein Vater. Oder Sie sind nicht mein Vater. Ich al-lein in seinen Händen? Gut, lassen Sie mich nur; lassenSie mich nur. Ich will doch sehn, wer mich hält, wermich zwingt, wer der Mensch ist, der einen Menschen zwin-gen kann.

Odoardo. Ich meyne, du bist ruhig, mein Kind.

Emilia. Das bin ich. Aber was nennen Sie ruhig seyn?Die Hände in den Schooß legen? Leiden, was man nicht sollte?Dulden, was man nicht dürfte?

Odoardo. Ha! wann du so denkest! Laß dich umar-men, meine Tochter! Zch hab' es immer gesagt: Das Weibwollte die Natur zu ihrem Meisterstücke machen. Aber sie ver-griff sich im Thone; sie nahm ihn zu fein. Sonst ist alles bes-