Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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194
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Nathan der Weise.

Wo aber ist sie denn? wo bleibt sie? Daja,Wenn du mich hintergehst! Weiß sie es denn,Daß ich gekommen bin?

Daja.Das frag' ich Euch!Noch zittert ihr der Schreck durch jede Nerve.Noch mahlet Feuer ihre PhantasieZu allem, was sie mahlt. Zm Schlafe wacht,Zm Wachen schläft ihr Geist: bald wenigerAls Thier, bald mehr als Engel.

Nathan.

Armes Kind!

Was sind wir Menschen!

Daja.

Diesen Morgen lagSie lange mit vcrschloßncm Aug', und warWie todt. Schnell fuhr sie auf, und rief:Horch! horch!Da kommen die Kamccle meines Vaters!Horch! seine sanfte Stimme selbst!" IndemBrach sich ihr Auge wieder: und ihr Haupt,Dem seines Armes Stütze sich entzog,Stürzt auf das Küssen. Ich, zur Pfort' hinaus!Und sich: da kommt Ihr wahrlich! kommt Ihr wahrlich!Was Wunder! ihre ganze Seele warDie Zeit her nur bey Euch und ihm.Nathan.

Bey ihm?

Bey welchem Ihm?

Daja.

Bey ihm, der aus dem Feuer

Sie rettete.

Nathan.Wer war das? wer? Wo ist er?Wer rettete mir meine Recha? wer?

Daja.

Ein junger Tempelherr, den, wenig Tage