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2 (1838)
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Nathan der Weise.

Ein Wunder, dem nur möglich, der die strengstenEntschlüsse, die unbändigsten EntwürfeDer Könige, sein Spiel wenn nicht sein SpottGern an den schwächsten Faden lenkt.

Rccha.

Mein Vater!Mein Vater, wenn ich irr', Ihr wißt, ich irreNicht gern.

Nathan.

Vielmehr, du läßst dich gern belehren.Sieh! eine Stirn, so oder so gewölbt;Der Rücken einer Nase, so vielmehrAls so gcführct; Augcnbraunen, dieAuf einem scharfen oder stumpfen KnochenSo oder so sich schlangeln; eine Linie,Ein Bug, ein Winkel, eine Fält', ein Mahl,Ein Nichts, aus eines wilden EuropäersGesicht: und du entkömmst dem Feur, in Asien !Das wär' kein Wunder, wundersücht'gcs Volk?Warum bemüht ihr denn noch einen Engel?

Daja.

Was schadcts Nathan, wenn ich sprechen darf

Bey alle dem, von einem Engel lieber

Als einem Menschen sich gerettet denken?

Fühlt man der ersten unbegreiflichen

Ursache seiner Rettung nicht sich so

Viel näher?

Nathan.

Stolz! und nichts als Stolz! Der TopfVon Eisen will mit einer silbern ZangeGern aus der Gluth gehoben seyn, um selbstEin Topf von Silber sich zu dünken. Pah!Und was es schadet, fragst du? was es schadet?Was hilft es? dürft ich nur hinwieder fragen.Denn deinSich Gott um so viel näher fühlen,"Ist Unsinn oder Gotteslästerung.Allein es schadet; ja, es schadet allerdings.