Nathan der Weise.
Umhcr: wie hätte mich des Nachts frcywilligDenn einer retten können?
Nathan.
Sich! wie sinnreich.Zctzt, Daja, nimm das Wort. Ich hab' es jaBon dir, daß er gefangen hergeschicktZst worden. Ohne Zweifel weißt du mehr.
Daja.
Nnn ja. — So sagt man freylich; — doch man sagt
Zugleich, daß Saladin den Tempelherrn
Begnadigt, weil er seiner Brüder einem,
Den er besonders lieb gehabt, so ähnlich sehe.
Doch da es viele zwanzig Zahrc her,
Daß dieser Bruder nicht mehr lebt, — er hieß,
Ich weiß nicht wie; — er blieb, ich weiß nicht wo:
So klingt das ja so gar — so gar unglaublich,
Daß an dcr ganzen Sache wohl nichts ist.
Nathan.
Ey, Daja! Warum wäre denn das so
Unglaublich? Doch wohl nicht — wic's wohl geschieht
Um lieber etwas noch unglaublichcrs
Zu glauben? — Warum hätte Saladin ,
Dcr sein Geschwister insgesammt so liebt,
Zn jüngcrn Jahrcn cincn Bruder nicht
Noch ganz besonders lieben können? — Pflegen
Sich zwey Gesichter nicht zu ähneln? — Zst
Ein alter Eindruck ein Verlorner? — Wirkt
Das Nehmliche nicht mehr das Nchmlichc? —
Scit wenn? — Wo steckt hicr das Unglaubliche? —
Ey freylich, weise Daja, wär's für dich
Kein Wunder mehr; und deine Wunder nur
Bcdürf... verdienen, will ich sagen, Glauben.
Daja.
Ihr spottet.
Nathan.Weil du meiner spottest. — DochAuch so noch, Rccha, bleibet deine Rettung