Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
246
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Nathan der Weise.

Nathan.Verzicht, und eilet nicht so stolz,Nicht so verächtlich einem Mann vorüber,Den Ihr aus ewig Euch verbunden habt.

Tempelherr.

Wie das ? Ah, fast errath' ichs. Nicht? Ihr seyd...Nathan.

Ich hcissc Nathan; bin des Mädchens Vater,Das Eure Großmuth aus dem Fcu'r gerettet;Und komme...

Tempelherr.Wenn zu danken: sparts! Ich hab'Um diese Kleinigkeit des Dankes schonZu viel erdulden müssen. Vollends Ihr,Ihr seyd mir gar nichts schuldig. Wußt' ich denn,Daß dieses Mädchen Eure Tochter war?Es ist der Tempelherren Pflicht, dem ErstenDem Besten bcyzuspringcn, dessen NothSie sehn. Mein Leben war mir ohnedemIn diesem Augenblicke lästig. Gern,Sehr gern ergriff ich die Gelegenheit,Es sür ein andres Leben in die SchanzeZu schlagen: für ein andres wenns auch nurDas Leben einer Jüdinn wäre.

Nathan.

Groß!

Groß und abscheulich! Doch die Wendung läßtSich denken. Die bescheidne Größe flüchtetSich hinter das Abscheuliche, um derBcwundrung auszuweichen. Aber wennSie so das Opfer der BewunderungVerschmäht: was für ein Opfer denn verschmähtSie minder? Ritter, wenn Ihr hier nicht fremd,Und nicht gefangen wäret, würd' ich EuchSo dreist nicht fragen. Sagt, befehlt: womitKann man Euch dienen?