Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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262
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Nathan der Weise.

Nur schlägt cr mir nicht zu; und schon dein Engel,Wie wenig fehlte, daß cr mich zur NärrinnGemacht? Noch schäm' ich mich vor meinem VaterDer Posse!

Daja.

Posse! Als ob der VerstandNur hier zu Hause wäre! Posse! Posse!Wenn ich nur reden dürfte!

Rccha.

Darfst du nicht?Wenn war ich nicht ganz Ohr, so oft es dirGefiel, von deinen Elaubcnshcldcn michZu unterhalten? Hab' ich ihren ThatenNicht stets Bewunderung; und ihren LeidenNicht immer Thränen gern gezollt? Ihr GlaubeSchien freylich mir das HeidenmäßigsteAn ihnen nie. Doch so viel tröstenderWar mir die Lehre, daß ErgebenheitZn Gott von unserm Wähnen über Gott So ganz und gar nicht abhängt. Liebe Daja,Das hat mein Vater uns so oft gesagt;Darüber hast du selbst mit ihm so oftDich einverstanden: warum untergräbstDu denn allein, was du mit ihm zugleichGcbauct? Liebe Daja, das ist keinGespräch, womit wir unserm Freund' am bestenEntgegen sehn. Für mich zwar, ja! Denn mir,Mir liegt daran unendlich, ob auch cr...Horch, Daja! Kommt es nicht an unsre Thüre?Wenn Er es wäre! horch!

Zweyter Auftritt.Rccha. Daja und der Tcmpclhcrr, dem J«mand von aussen die Thüreo'fnct, mit den Worten:

Nur hier herein!Rccha. (fährt zusammen, faßt sich, und will ihm zn Füssen fallen.)Er ists! Mein Rcttcr, ah!