Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
285
Einzelbild herunterladen
 

Rathan der Wcisc.

Der Vorurthcilc mehr schon abgelegt.

Was will mein Orden auch? Ich Tempelherr

Bin todt; war von dem Augenblick' ihm todt,

Der mich zu Saladins Gefangnen machte.

Der Kopf, den Saladin mir schenkte, wär'

Mein alter? Zst ein neuer; der von allem

Nichts weiß, was jenem eingcplandcrt ward,

Was jenen band. Und ist ein bcfsrcr; für

Den väterlichen Himmel mehr gemacht.

Das spür' ich ja. Denn erst mit ihm beginn'

Ich so zu denken, wie mein Vater hier

Gedacht muß haben; wenn man Mährchcn nicht

Von ihm mir vorgelogen. Mährchcn? doch

Ganz glaubliche; die glaublicher mir nie,

Als ißt geschienen, da ich nur Gefahr

Zu straucheln lauffe, wo er fiel. Er fiel?

Ich will mit Männern lieber fallen, als

Mit Kindern stehn. Sein Beyspiel bürget mir

Für seinen Beyfall. Und an wessen Beyfall

Liegt mir denn sonst? An Nathans? O an dessen

Ermuntrung mehr, als Beyfall, kann es mir

Noch weniger gebrechen. Welch ein Jude!

Und der so ganz nur Jude scheinen will!

Da kömmt er; kömmt mit Hast; glüht heitre Freude.

Wer kam vom Saladin je anders? He!

He, Nathan!

Achter Auftritt.Nathan und der Tempelherr.

Nathan.Wie? seyd Zhrs?Tempelherr.

Ihr habt

Sehr lang' Euch bey dem Sultan aufgehalten.

Nathan.

So lange nun wohl nicht. Ich ward im hingchnZu viel verweilt. Ah, wahrlich Curd; der Mann