Nathan der Weise.
Tempelherr.Gesetzt, chrwürd'gcr Vater,Ein Jude hätt' ein einzig Kind, — es seyEin Mädchen, — das er mit der größten SorgfallAll allem Guten auferzogcn, dasEr liebe mehr als seine Seele, dasIhn wieder mit der frömmsten Liebe liebe.Und min würd' nnscr Einem hintcrbracht,Dieß Mädchen sey des Zudcn Tochter nicht;Er hab' es in der Kindheit aufgelesen,Gekauft, gestohlen, — was Ihr wollt; man wisse,Das Mädchen sey ein Christcnkind, und seyGetauft; der Zudc hab' es nur als JüdinnErzogen; laß es nur als Jüdinn undAls seine Tochter so verharren: — sagt,Ehrwürd'ger Vater, was wär' hierbey wohlZu thun?
Patriarch.Mich schaudert! — Doch zu allererstErkläre sich der Herr, ob so ein FallEin Faktum oder eine Hypothes'.Das ist zu sagen: ob der Herr sich dasNur blos so dichtet, oder obs geschehn,Und fortfährt zu geschehn.
Tempelherr.
Ich glaubte, dasSey eins, um Euer Hochchrwürdcn MeynungBlos zu vernehmen.
Patriarch.Eins? — Da seh der HerrWie sich die stolze menschliche VernunftZm Geistlichen doch irren kann. — Mit Nichten!Denn ist der vorgctragne Fall nur so iEin Spiel des Witzes: so verlohnt es sichDer Mühe nicht, im Ernst ihn durchzudcukcn.Ich will den Herrn damit auf das TheaterVerwiesen haben, wo dergleichen pro