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Nathan der Weise.
Patriarch.Zch wünsche wenigstens,Daß so ein frommer Ritter lange nochDer lieben Christenheit, der Sache GottesZu Ehr nnd Frommen blühn lind grünen möge!Das wird denn auch nicht schien, wenn nur feinDie junge Tapferkeit dem reifen RatheDes Alters folgen will! — Womit wär' sonstDem Herrn zu dienen?
Tempelherr.Mit dem nehmlichen,Woran es meiner Jugend fehlt: mit Rath.
Patriarch.
Recht gern! — Nur ist der Rath auch anzunehmen.
Tempelherr.
Doch blindlings nicht?
Patriarch.Wer sagt denn das? — Ey freylichMuß niemand die Vernunft, die Gott ihm gab,Zu brauchen unterlassen, — wo sie hinGehört. — Gehört sie aber überall
Denn hin? — O nein! — Zum Beyspiel; wenn uns Gott
Durch einen seiner Engel, — ist zu sagen,
Durch einen Diener seines Worts, — ein Mittel
Bekannt zu machen würdiget, das Wohl
Der ganzen Christenheit, das Heil der Kirche,
Auf irgend eine ganz besondre Weise
Zu fördern, zu befestigen: wer darf
Sich da noch untersteh», die Willkühr deß,
Der die Vernunft erschaffen, nach Vernunft
Zu untersuchen? und das ewige
Gesetz der Herrlichkeit des Himmels, nach
Den kleinen Regeln einer citcln Ehre
Zu prüfen? — Doch hiervon genug. — Was ist
Es denn, worüber unsern Rath für itzt
Der Herr verlangt?