Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
306
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Rathan der Weise.

Sittah.Sich doch, was ich hier,Indem mir so mein alt Geschmeide durchDie Hände gebt, gefunden, (ihm ein klein Gemählde zeigend.)Saladin .

Ha! mein Bruder!Das ist er, ist er! War er! war er! ah!Ah wackrer lieber Zunge, daß ich dichSo früh verlor! Was hätt' ich erst mit dir,An deiner Seit' erst unternommen! Sittah,Laß mir das Bild. Auch kenn' ichs schon: cr gabEs deiner älter» Schwester, seiner Lilla,Die eines Morgens ihn so ganz und garNicht aus den Armen lassen wollt'. Es warDer letzte, den cr ausritt. Ah, ich ließIhn reiten, und allein! Ah, Lilla starbVor Gram, und hat mirs nie vergeben, daßIch so allein ihn reiten lassen. ErBlieb weg!

Sittah.Der arme Bruder!

Saladin .

Laß nur gutSeyn! Einmal bleiben wir doch alle weg!Zudem, wer weiß? Der Tod ists nicht allein,Der einem Jüngling seiner Art das ZielVerrückt. Er hat der Feinde mehr; und oftErliegt der Stärkste gleich dem Schwächsten. Nun,Sey wie ihm sey! Ich muß das Bild doch mitDem jungen Tempelherrn vergleichen; mußDoch sehn, wie viel mich meine PhantasieGetäuscht.

Sittah.

Nur darum bring' ichs. Aber gibDoch, gib! Ich will dir das wohl sagen; dasVersteht ein weiblich Aug am besten.