Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
310
Einzelbild herunterladen
 

310

Nathan der Weise.

Auch ich ein Ding von vielen Seiten, dieOft nicht so recht zu passen scheinen mögen.

Tempelherr.Das schmerzt! Denn Argwohn ist so wenig sonstMein Fehler

Saladin.Nun, so sage doch, mit wemDus hast? Es schien ja gar, mit Nathan. Wie?Auf Nathan Argwohn? du? Erklär' dich! sprich!Komm, gib mir deines Zutrauns erste Probe.

Tempelherr.Ich habe wider Nathan nichts. Zch zürn' ,Allein mit mir

Saladin.Und über was?Tempelherr.

Daß mir

Geträumt, ein Jude könn' auch wohl ein JudeZu seyn verlernen; daß mir wachend soGeträumt.

Saladin .Heraus mit diesem wachen Traume!Tempelherr.Du weißt von Nathans Tochter, Sultan . WasZch für sie that, das that ich, weil ichs that.Zu stolz, Dank cinzuerndten, wo ich ihnNicht säete, verschmäht ich Tag für TagDas Mädchen noch einmal zu sehn. Der VaterWar fern; er kömmt; er hört; er sucht mich auf;Er dankt; er wünscht, daß seine Tochter mirGefallen möge; spricht von Aussicht, sprichtVon heitern Fernen. Nun, ich lasse michBeschwatzen, komme, sehe, finde wirklichEin Mädchen... Ah, ich muß mich schämen, Sultan

Saladin.

Dich schämen? daß ein Zudcnmädchcn aufDich Eindruck machte: doch wohl nimmermehr?