Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
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311
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Nathaii der Weise.

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Tempelherr.Daß diesem Eindruck, auf das lieblicheGeschwätz des Vaters hin, mein rasches HerzSo wenig Widerstand entgegen setzte!Ich Tropf! ich sprang zum zwcytcnmal ins Feuer.Denn nun warb ich, und nun ward ich verschmäht.Saladin .

Verschmäht?

Tempelherr.Der weise Vater schlägt nun wohlMich platterdings nicht aus. Der weise NatcrMuß aber doch sich erst erkunden, erstBesinnen. Allerdings! That ich denn dasNicht auch? Erkundete, besann ich dennMich erst nicht auch, als sie im Feuer schrie?Fürwahr! bey Gott ! Es ist doch gar was schönes,So weise, so bedächtig seyn!

Saladin .

Nun, nun!So sieh doch einem Alten etwas nach!Wie lange können seine WeigerungenDenn dauern? Wird er denn von dir verlangen,Daß du erst Jude werden sollst?

Tempelherr.

Wer weiß!

Saladin .

Wer weiß? der diesen Nathan besser kennt.

Tempelherr.Der Abcrglaub', in dem wir aufgewachsen,Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darumDoch seine Macht nicht über uns. Es sindNicht alle frey, die ihrer Ketten spotten.

Saladin .

Sehr reif bemerkt! Doch Nathan wahrlich, Nathan...

Tempelherr.Der Aberglauben schlimmster ist, den seinenFür den erträglichen, zu halten ...