Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
368
Einzelbild herunterladen
 

368 Dämon, oder die wahre Freundschaft.

Anhalten, ein Herz entreißen wollte, das sich vielleicht mit der Zeitaus Neigung an einen von uns ergeben wird?

K.isette. Ans Neigung? Als wenn ein Frauenzimmer nicht füralle wohlgcmachlc Mannspersonen einerley Neigung hatte. Zum Exem-pel, was würde mir daran gelegen seyn, ob ich sie, oder Herr Lean-dern bekommen sollte. Nehmen sie mir es nicht übel, daß ich meinemStolze einmal solche süßs Träume vorhalte. Sie und Herr Leandersind von einer gesunden Lcibcsbeschaffcnhcit. Stark und inunter. Zwi-schen zwey gleich guten Sachen kann man sich in der Wahl nicht ir-ren. Der erste der beste. Nur blindlings zugegriffen!

Dämon. Lisette, ihr beurtheilt eure Frau nach euch; und gewißihr macht ihr dadurch nicht viel Ehre. Ich kenne sie zu wohl. Siehat edlere Gedanken von der Liebe.

K.isctte. Ach, nehmen sie mir es nicht übel. Liebe bleibt Liebe.Eine Königinn liebt nicht edler, als eine Bettlerinn, und eine Philo-sophinn nicht edler, als eine dumme Bauersfrau. Es ist Maus, wieMutter. Und ich und meine Frau würden in dem Wesentlichen derLiebe gewiß nicht um ein Haar unterschieden seyn.

Dämon. Lebt wohl! Ich habe itzo just weder Lust, noch Zeit,eure ungegründeten Reden zu widerlegen. Sollte Herr Leander kom-men, so bittet ihn, einen Augenblick zu verziehen. Ich habe wasnöthiges vorher zu verrichten. Ich werde gleich wieder da seyn.

lisette. Je, zum Henker! so warten sie noch einen Augenblick.Sie nennen meine Reden ungegründet? Nun, horchen sie einmal.Itzo will ich ihnen was sagen. Vielleicht werden sie ihnen alsdenngegründeter vorkommen.

Dämon. Run, so werde ich was hören.

Aisette. Wissen sie, was meine Frau beschlossen hat? Sie willwarten, bis die beyden Schiffe wieder da sind, auf welche sie ihreGelder gegeben haben. Und wer bey dem Handel der glücklichste wirdgewesen seyn, den will sie hcyrathen, Knall und Fall. Glauben sienun, daß es meiner Frau gleichviel seyn wird, ob sie den Herrn Le-ander oder sie bekömmt? He?

Dämon. Was? Lisette! Das hätte sich deine Frau entschlos-sen? .Geh! erzähle dein Mährgcn einem andern.

lisette- Nun, warum kömmt ihnen das so unwahrscheinlichvor? Ist es ein Schelmstück, daß man lieber einen Reichen, als einen