Dämon, oder die wahre Freundschaft. 37Z
Seele ist edel und großmüthig. Und diese laßt mich nicht daranzweifeln.
Dämon. Sie trauen mir zu viel zu, werthester Leander. VollScham gesteh ich ihnen, daß ich mich zu schwach dazu befinde. DieGedanken davon scheinen mir edel und wahr. Die Erfüllung aberunmöglich. Ich zittere schon im voraus, wenn ich mir vorstelle, daßmeine Freundschaft einen so harten Versuch vielleicht einmal auszuhal-ten habe. Doch ihre Tugend ist mir gnt dafür. Und ist ein Freundwohl auch zu einer so allzu großmüthigen Sanftmuth verbunden? Ichweis es, es ist die Pflicht eines Freundes, dem andern zu verzeihen.Doch ist es auch des andern Pflicht, ihm so wenig Gelegenheit dazuzn geben, als ihm nur möglich ist.
L-eanoer. Freund, im Verzeihen müssen wir dem Himmel gleichseyn. Unsere Verbrechen, so groß nnd so häufig sie sind, machen ihnin dieser, ihm würdigen, Beschäftigung nicht müde. Wen man einmalzu seinem Freunde erwählt hat, den muß man behalten. Weder seineFehler noch seine Beleidigungen müssen vermögend seyn, ihn ans un-srer Gunst zu setzen. Mau beschimpfet sich selbst, wenn mau es dazukommen läßt. Oder ist es ctwan kein Schimpf, wenn man mitScham gestehen muß, daß man in der Wahl gröblich gcirret habe?
Dämon. Aber, liebster Leander, sagen sie mir doch, weswegensie mit mir zu reden verlangt? Was ist denn das Wichtige, daß siemir zu entdecken haben?
L.eander. Werden ihnen meine Reden beschwerlich? Ich kannes nicht glauben. Sie wissen, wie gern man von Sache» redet, dieuns angenehm sind. Und ich weis, man höret auch eben so gern da-von. Sie scheinen mir aber heute zu beyden ein wenig verdrießlich.Was beunruhiget sie? Ist ihnen ein Unglück zugestoßen? Entdeckensie mir es. Machen sie mir das Vergnügen, ihren Schmerz mit ih-nen zu theilen. Sie sollen alsdenn alles erfahren, was ich ihnen zusagen habe.
Dämon. Sie betrügen sich nicht. Ich bin bestürzt und be-kümmert.
Leander. Und worüber? O was zaudern sie, mir ihr Geheim-niß anzuvertrauen. Setzen sie in meine Verschwiegenheit ein MiStranen?Zweifeln sie, daß ich ihnen helfen werde, wen» es in meinen Kräf-ten stehet? Oder zweifeln sie gar an meinem Mitleiden? Wenn ich