338 Die alte Jungfer,
Ohldinn. Behüte Gott ! muß man sich denn gleich ärgern? Re-den Sie ihm doch zn, Frau Oront.
Frau Vrcmt. Du mußt, mein lieber Mann, ein wenig gelindermit ihr verfahren. Du wirst es ja wohl noch an meinem Beyspielewissen, wie es einem Frauenzimmer ist, wenn man ihr das erstemaldergleichen vorsagt.
Ghldinn. Ach! das erstemal — das erstemal — Wenn ich hätteheirathen wollen —
Herr Gronr. Sie wollen also nicht?
Ohlvinn. Daß Gott ! Sie sind auch gar zu stürmisch — Kannman sich denn in solchen wichtigen Sachen gleich auf der Stelleentschließe»?
Herr Gronr. Ja, ja! Man kann nnd muß. Gleich in derersten Hitze. Wenn die verdammte Ucl'erlcgung dazu kömmt, so istes auf einmal aus. Gott sey Dank! die Ucbcrlegung ist mein Fehlernicht. Soll denn Ihr schönes Vermögen an lachende Erben kommen?In den Händen Ihres verschwenderischen Vetters wirds lange währen.Selbst Kinder gemacht, so weiß man doch, wem manS hinterläßt. Siekommen durch die Heirath in ein altes adcliches Geschlecht, Sie wis-sen nicht, wie. Und wollen Sie denn in die Grube fahren, ohne dasüberirrdische Vergnügen des Ehestands geschmeckt zn haben?
Ghldinn. Je nn, so wäre mein Trost, daß ich auch seine Be-schwerlichkeiten nicht hätte ertragen dürfen.
Hr«u Gront. O! die sind bey der Lust, die er nnS schafft, zndulden, llud kömmt ein Paar zusammen, wie ich und mein lieberMann, so wird man wenig davon zu sagen haben. Nicht wahr, meinallerliebstes Kind? Wir —
-Herr Gronr. Ja. Das ist wahr, mein Schätzchen, wir habeneinander das Leben so süße gemacht, so anmnthig — Wir sind auchin unsrer Nachbarschaft ein Muster einer glücklichen Ehe.
Zran Grom- Wir sind ein Leib und eine Seele beständig ge-wesen —
-Herr Oront- Wir wisse» von keinem Zank noch Streit. Deseinen Verlangen ist stets auch des andern Wille gewesen. Ja, meinenglisches Weibchen.
Frau Oront. Das ist wahr, mein goldnes Männchen.