Die alle Jungfer. 387
'Herr Gront. Das stünde mir auch an. Ich niid das Sccn-lmu, wir geh» mit einander. Darfst du dich ctwan über mein Alterbeschweren? Bin ich nicht noch —
Frau Gront. Gut, gut! Also kannst du sie nicht als ein Kindgekannt haben.
-Herr Vront. Ach — was, Kind —
Ghldinn. Wenn Sie mir nicht glaube» wollen; mein Taufscheinkann es ausweisen, daß ich erst auf Ostern fnnfzig Jahr bin.
-Herr Gront. Was? Sie erst funfjig Jahr? Ich denke, werweiß wie alt Sie sind. O! da ist Ihre Zeit noch nicht verflossen.Sara war neunzig Jahr alt. Und nach Ihrem Gesichte hätte ich Siegewiß auch nicht für junger —
GhlSinn. Ey! mein Gesicht — mein Gesicht — wem das nichtansteht —
-Herr Gront. Wer sagt das? Ihr Gesicht hat noch seine Licb>Haber. Würde den» sonst der Herr Kapitän von Schlag? —
Ohldinn. Was? von? ist er gar ein Adlicher?
^Herr Grom. Ja freylich, und zwar aus einer der ältesten Fa-milien. Er steht bey dem König vortreflich angeschrieben, der ihm auchin Gnaden seinen Abschied ertheilt hat, weil er das Unglück hatte, imletzten Fcldjuge, zu ferner» Diensten, untüchtig gemacht zu werden.
GhlSinn. Untüchtig? — Nei», ich besinne mich alleweile. Ichmag ihn nicht. Wende» Sie sich an eine andere. Ich kaun nichtsthun, als ihn bcdauren.
-Herr Gront. Er mag aber keine andre, als Sie. Und verlan-ge» Sie denn einen Mann, der stets zu Felde liegt? und der nm Siedes Jahrs kaum zwey Rächte sey» kau»? Die abgedankten OfficierSsind die besten Ehemänner, wenn sie ihre» Muth nicht mehr an denFeinden beweisen könne», so sind sie desto mannhafter gegen ihre —Doch, ich komme zu weit in Text. Sie versteh» mich doch nicht —
Ghldinn. Ach — denkt doch —
-Herr Gront. So? versteh» Sics schon? Ich denke —
VhlSinn. Ich denke, daß Sie mich nur zum Besten haben wolle».
-Herr Vront. Oder Sie mich. Sage ich, Sie vcrstchns, soist es nicht recht. Sage ich, Sie vcrstchns nicht, so istS wieder nichtrecht. Ich sehe wohl, so alt ihr Köpfchen ist, so eigensinnig ist esauch. Wollen Sie, oder wollen Sie nicht?
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