Weiber sind Weiber. ^37
wollt. Meiner Gntigkcit habt ihrs einzig und allein zu verdanke»,daß ich diese Drohung jezo nicht wicdcrhohle. Aber glaubt gewiß, icherfülle sie.
L.isette. Was vor ein Ucbersluß väterlicher Liebe?
Hr. Seit. Ihr gottlosen Kinder--Lisctte, isis so recht?
Susette. Mehr als zu recht.
-Hr. Seit. Wollt ihr mich denn noch vor der Zeit unter dieErde ärgern? Gott wird euch straffen, gebt acht! — Ist das gelinde?Lisctte.
Kusette. O vortrefflich!
Hr. Seit. Bedenkt doch, daß ungehorsame Kinder verflucht sind.L-isette. Wie zärtlich!
K.aura. Sie beschuldigen uns des Ungehorsams? Wie könntenwir ihnen mehr gehorsam seyn, als wenn wir denjenigen Männerntreu verbleiben, die sie uns selbst gewehlt haben?
Hr. Seit. Schweig, du Scheinheilige! Habe ich denn nicht oftegcnung gesagt, daß die Herrn Consistorialräthe fast alle meine gutenFreunde sind, und daß ich eure Ehescheidung augenblicklich erlangen kan?
HilarlK. Ehescheidung? Warum sollten wir von unsern Männerngeschieden werden, mit denen wir doch auf das allcrfricdlichste leben?Die uns in drey Jahren nicht die geringste saure Mine gemacht ha-ben. Die uns iu der Zeit haben thun lassen, was wir nur selber ge-wollt. Wenn man ja Männer haben muß, so sind dieses die besten.Je weiter von uns, je besser für uns.
-Hr. Seit, tiy sich! Kanst du bey deinem Wittwcnstande sogleichgültig seyn? Dahinter mnß was stecken. Beynahe komme ich
auf die Gedanken--Nn, nu, ich willS gewiß erfahren, ich wills
gewiß erfahre».
Hilaria. O! ich will ihnen alles selbst sagen, was sie nur vonmir erfahren tonnen. Sie wissen, daß ich mich mit mcincm Manne,so lange wir bcysammc» gewesen sind, sehr wohl vertragen habe.Warum sollte ich mich nun, ohne sein Verschulde», sci»er entziehen?
Hr. Seit. Ohne sein Verschulde»? Ist er nicht zum Bettler wor-den? Ist er nicht davon gegangen?
Hilaria. An dem ersten könnte ich wohl selbst unschuldiger WeiseUrsache habe». Und mit seinem Weggehen hat er mir nun eben auchkeine» großen Verdruß verursacht. Es fehlt mir ja in seiner Abwc-
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