Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
452
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462 Tie beyderseitige Uebcrredung.

Thestylis.

Wenn uns die Liebe weckt, so ist kein Schlaf so siiße,

Der nicht auf ihr Geboth die Augen fliehen müße.

Wahr ists, daß auch der Schlaf durch manchen Traum erfreut,

Doch lieber als der Traum ist mir die Wirklichkeit.

Ich eilte, meinen Freund an diesem Quell zu treffen.

Er hat mich her bestellt, und wird mich doch nicht äffen?

In seinem Arme sey der junge Tag verscherzt.

Wer weis, wie bald ihn uns ein Ungewittcr schwärzt.

Dann jagt uns Sturm und Blitz in die betrübten Hütten,

Wo Lieb und Lachen fehlt, von Müttern nicht gelitten.

Allein was treibt denn dich so zeitig auf die Flur?

Gewiß die Liebe nicht.

Sylvia.Die Schönheit der Natur.Thestylis.

Ja, ja, sie ist sehr schön. Allein man sieht sie immer,Und was man immer sieht, verlieret seinen Schimmer.Sylvia.

Du bist sehr ungerecht, doch wie Verliebte sind,

Sie macht ihr Gegenstand für alles andre blind.

Ach welche Thorheit ists, sein Herz der Lieb ergeben,

Und allem abgelebt, für sie allein nur leben!

Such lacht und lebt kein Lenz; euch glüht kein Morgenroth;

Für euch sind Flur und Wald und Thal und Echo todt;

Das befreyte Rom.Erster Act.

Erster Auftritt.(Forum)Drutus.

Allein. Er entdeckt in kurzen Worten seine Verstellung, die ihmzur Last zu werden anfängt.

Zweyter Austritt.Zwey Römer kommen dazu, die sich von der Tyrannei) des Tar-quinius unterreden. Sie werden den Brutus gewahr, kehren sich aber