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laut, er schwatzt; er ist in der Welt hernmgcschwärmt, er hat einenNarren gefressen an allem, was neu ist: das sind die schönen Eigen-schaften, die ich gestern an ihm bemerkte, als er mich mit seinem vcr-drüßlichcn Besuche beehrte, lind übrigens darf man so gar scharfsich-tig nicht seyn, um zn merken, daß er sein Vermögen durch seine Rei-sen ziemlich dünne gemacht. Sollte das etwa gar die wahre Ursacheseyn, warnm er dich anbetet?
Lharicas. Wenigstens ziehen Sie die Redlichkeit seines Herzensnicht in Zweifel. Vielleicht zwar, daß er nicht mehr der reichste ist.Aber was schadet das? Er besitzt Gcschicklichkciten, die ganz gewißsein Glück machen werden, nnd hat einen sehr reichen alten Vet-ter, der — —
U?tlibal0. Gcschicklichkciten! — — Einen alten Vetter!--
Du hast mich zum besten, Tochter. In diesen barbarischen Zeiten, i»welchen der reichste der geschickteste ist, in welchen der, der Geld hat,alles zu wissen glaubt, ohne das geringste gelernt zu haben; in diesemJahrhunderte der glücklichen Dummköpfe, was können da einem Ge-schicklichkeiten helffcn? Vor diesem waren sie wohl so gut als dasgrößte Kapital; aber das war vor diesem — Und was den alten Net-ter anbelangt — glaubst du denn nicht, daß die alten Vetter Leutesind, die ihre jungen Vetter überleben wollen. Vor diesem starben diealten Leute wohl eher als die jungen; aber jetzt, jetzt stürmen ja diejungen Leute so entsetzlich in ihre Natur, daß sie Kahlköpfe werden,ehe sie einen Bart kriegen.
Lharitas. Auch liebt ihn sein gewesener Vormund so sehr, daßer ihn zu seinem Erben einsetzen will.
^VilibalS. Davon schweig vollends still. Das Mährchen ist mirso unglaublich vorgekommen, daß ich nicht einmal nach dem Rainendieses großmüthigen Vormunds habe fragen mögen. Vor diesem mach-ten die Vormünder ihre Mündel wohl lieber reich, als arm; aber daswar vor diesem!
Lharims. Und wenn ich es Ihnen nun auch einräumen müßte,daß seine Hoffnungen nicht allzugcgründct sind; so müssen Sie mirdoch wiederum einräumen, daß der Reichthum nicht die glücklichenEhen mache.
WiltbalS- Die Liebe noch weniger. Tugend und gute Sittenmüssen sie machen. Wenn mein künftiger Schwiegersohn diese hat, so